Kardiologie
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Herzkasperl – lustig ist es nicht wenn man einen bekommt. Erkrankungen des Herzens zählen zu den häufigsten Todesursachen. Prävention ist sehr wichtig! Herzkasperl findet für Dich ExpertInnen, die Dich zum Thema Herzgesundheit auf dem Laufenden halten.

  • FOLGE 1

    Herzensbildung – Interview mit der Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie

    In der Folge mit Dr. Andrea Podczek-Schweighofer dreht sich alles rund um das Herz. Wir widmen uns den Vorzeichen von Herzerkrankungen bzw. eines Herzinfarkts und den Unterschieden zwischen Männern und…

    FOLGE 1

    Herzensbildung – Interview mit der Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie

    Dr. Roman Szeliga

    Er ist Arzt und Manager, Moderator, Vortragender und Autor. Die Klammer, die all das zusammenhält, ist der Humor: als soziale Kompetenz, die in der Lage ist, Menschen zu motivieren, mitzureißen und zu führen.

    Als Mitbegründer der CliniClowns erkannte Dr. Szeliga die positiven Auswirkungen des Humors auf die gesundheitliche Heilung schwerkranker Kinder. Heute setzt er sich als Vortragender dafür ein, dass auch Unternehmen das Potenzial des Humors erkennen und nutzen. Humorvoll und kurzweilig wird er uns heute durch das Interview führen.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer

    Nach der Promotion 1979 absolvierte Andrea Podczeck-Schweighofer ihre Turnus- und fachärztliche Ausbildung für Innere Medizin im Wilhelminenspital in Wien. 1988 erwarb sie den Facharzttitel für Innere Medizin, in den Folgejahren die Additiv-Facharzttitel in Kardiologie und internistischer Intensivmedizin. Ihre wissenschaftliche Tätigkeit führte sie zu mehreren Auslandsaufenthalten, 1984 zu einem längeren Aufenthalt an das St. Bartholomew’s Hospital nach London, 1986 zwei Jahre an die Kardiologische Universitätsklinik in Düsseldorf. 1995 wurde sie Universitätsdozentin, mit Schwerpunkt ihrer klinischen Tätigkeit in der Kardiologie. 2004 übernahm sie als Primaria die Leitung der Kardiologischen Station im SMZ Süd. 2016 wurde sie Universitätsprofessorin an der Sigmund Freud Universität in Wien und seit Juni 2017 ist sie Präsidentin der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft.

    Transkript: Herzensbildung – Interview mit der Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie

    Dr. Roman Szeliga: Herzlich willkommen an einem Tag, an dem es um das Herz geht. Ich begrüße ganz herzlich, Frau Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer – ihres Zeichens nicht nur Internistin, Kardiologin und auch Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie, sondern auch ein Mensch mit Herz. Dazu kommen wir gleich.

    Frau Professor, im Vorfeld unseres Gesprächs habe ich ein bisschen recherchiert, warum das Herz so wichtig ist für unser Leben. Unser Herz schlägt ca. 70 Mal pro Minute, das wissen vielleicht die meisten noch. Aber dass es 100.000 Mal am Tag und insgesamt bis zu unserem 70. Lebensjahr 2,5 Milliarden Mal schlägt – das ist ganz schön oft – wissen viele vielleicht nicht. 70 bis 80 Milliliter Blut pumpt es pro Herzschlag, 6 Liter pro Minute und jährlich so viel, dass wir ein ganzes Olympia-Schwimmbecken füllen könnten (25×50 Meter). Das alles schafft unser Herz und trotzdem kümmern wir uns anscheinend viel zu wenig darum.

    Heute ist Valentinstag – die Frage ans Auditorium: Wer von Ihnen ist derzeit verliebt? Oder kann sich daran erinnern?

    (Lachen aus dem Publikum.)

    Auch das hebt den Herzschlag etwas an. Da schlägt das Herz ein bisschen anders. Das weibliche Herz schlägt durchschnittlich ein bisschen schneller, als das männliche Herz. Da gibt es ein kleines Experiment für den Abend – schauen Sie ihrem Partner in die Augen. Nach 3 Minuten schlägt das Herz dann synchron.

    (Lachen.)

    Dr. Roman Szeliga: Frau Professor, wieso liegt Ihnen das Herz so am Herzen?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Weil ich die Menschen sehe, die nicht auf ihr Herz geachtet haben. Ich sehe üblicherweise Patientinnen und Patienten, deren Herz erkrankt ist aus verschiedenen Gründen. Sehr häufig, weil die Herzkranzgefäße verkalkt sind oder so verstopft sind, dass das Resultat ein Herzinfarkt ist. Das ist eine lebensbedrohliche Situation. Wenn man da nicht rechtzeitig etwas tut, dann stirbt ein mehr oder weniger großer Teil des Herzmuskels ab. Das hat für den Patienten gravierende Folgen, selbst wenn er diese Situation überlebt.

    Je mehr ich mich mit Krankheiten beschäftige, ist mein Ziel die Botschaft auszusenden: „Lasst es dazu nicht kommen.“

    Dr. Roman Szeliga: Jetzt haben wir im Vorfeld ein bisschen geplaudert. Es hat extreme Fortschritte in der Therapie, Diagnostik und Vorsorge gegeben. Wir können glücklich sein, in einer Zeit zu leben, wo es viele Möglichkeiten gibt. Trotzdem ist die Herz-Kreislauf-Erkrankung eine der häufigsten Todesursachen mit all ihren Nebeneffekten. Was sind die aktuellen Probleme? Warum ist das nach wie vor so ein Problem, dass die Menschen zu wenig auf ihr Herz hören oder schauen?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Das ist wahrscheinlich ein psychologisches Problem, warum sich Menschen nicht um mögliche Krankheitsentstehungen kümmern. Ein junger Mensch steckt das natürlich weg – auch die Zigarette am Abend in der Disco ist für einen 20- oder 25-Jährigen noch nicht bedeutsam für die spätere Arteriosklerose, also die Verkalkung des arteriellen Gefäßsystems. Je länger der Zustand aber anhält und je besser wir im Verdrängen der möglichen Schäden für unser Herz sind – ich glaube nämlich, dass die meisten Menschen eigentlich wissen, was gut oder schlecht ist für ihr Herz – …

    Dr. Roman Szeliga: … es aber nicht tun…

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: … aber es nicht tun. Und je mehr Jahre ins Land ziehen und die schädlichen Noxen auf das Gefäßsystem wirken, umso höher ist die Komplikationsrate.

    Dr. Roman Szeliga: Ist dieses Verhalten ein bisschen eine Reaktion darauf, dass es so viele Möglichkeiten gibt? Andere sollen das machen, aber ich esse weiter, gehe nicht zum Sport und lebe ungesund. Wie kann man das verbessern? Vom erhobenen Zeigefinger haben die Patientinnen und Patienten genug.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Der wirkt nicht gut.

    Ich glaube noch immer an die Intellektualität des Menschen, wenn man Zusammenhänge herstellt und, dass man ab und zu ein schlechtes Gewissen hat, damit man sich bessert oder dass man an sich arbeitet, auch wenn man gute Taten unterbreitet.

    Wenn ich Vorträge vor Laienpublikum halte und sage, es ist erwiesen, dass fünf Mal wöchentliche Bewegung von 30 Minuten pro Tag einen wirklichen Nutzen in einer großen Gesellschaftsgruppe, die untersucht wurde, bringt, um nicht an einem Herzinfarkt zu erkranken oder zu versterben, ändern zumindest manche Leute ihr Leben in diese Richtung. Die Tragödie ist, dass es oft zum Kollaps eines Gefäßes kommen muss.

    Dr. Roman Szeliga: Typisch österreichisch, dass die „Watschen“ kommen muss und man denkt, hoffentlich passiert nicht mehr. Es gibt einen schönen Vergleich: Man empfiehlt, dass jeder Mensch mindestens 3 Mal pro Tag 30 Minuten mit dem Hund spazieren gehen soll – auch wenn er keinen Hund hat.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Das ist eine sehr gute Empfehlung.

    Dr. Roman Szeliga: Braucht es nicht manchmal so schöne plakative Vergleiche? Wir haben alle gehört, man soll mehr Sport treiben, mehr Bewegung machen. Aber vielleicht gibt es Tipps oder Tricks, die jeder machen kann? Z.B. für einen Manager, der den ganzen Tag viel zu tun und keine Zeit für Spaziergänge hat.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ja. Bewegung ist essenziell. Da wir alle furchtbar wenig Zeit haben und tatsächlich manche abends so spät nach Hause kommen, dass 30 Minuten laufen scheinbar nicht drinnen sind, empfehle ich es möglichst in den Alltag zu integrieren. Es gibt Daten, dass Menschen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, wesentlich größere Strecken zu Fuß gehen. Ganz einfach: Wenn man mehrere Stockwerke zu bewältigen hat, sich zu zwingen, nie, nie, nie den Lift zu benutzen, sondern ausschließlich die Stiegen zu steigen. Da kann man relativ viele Schritte im Laufe eines Tages dazu gewinnen.

    Dr. Roman Szeliga: Machen Sie das selbst?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ja. Das war eines meiner obersten Ziele. Ich hatte einen sehr strengen Lehrer. Wenn er junge Assistenten am Lift stehen hat sehen, war man unten durch. Das habe ich mir bis an den Rest meines Lebens gemerkt.

    Dr. Roman Szeliga: Da hat auch ein bisschen die Angst mitgespielt sozusagen, vom Chef gesehen zu werden?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ja, ein bisschen. Aber das ist nicht schwer. Zwei Stockwerke zu gehen ist kein Problem. Aber es wird selten gelebt. Vor den Liften stehen Trauben von Menschen.

    Dr. Roman Szeliga: Und fahren dann vielleicht noch mit dem Auto ins Fitness-Studio.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Genau.

    Dr. Roman Szeliga: Vielleicht ist das auch ein Thema, diese Routine. Wir haben im Leben viele Dinge, die wir routinemäßig tun. Wäre das nicht auch ein Ansatz, den Sport als Routineprogramm ins Leben zu integrieren? Also fix Montag und Mittwoch ins Fitness-Studio oder mit dem Hund spazieren gehen?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ich glaube, der Mensch braucht so etwas wie ein Raster für sein Leben, um auch seine Arbeit danach auszurichten, soweit es möglich ist.

    Dr. Roman Szeliga: Jetzt hört man immer von Menschen, die besonders gefährdet sind. Menschen, die viel Stress und viel Verantwortung haben, übergewichtig sind, sich nicht viel bewegen. Die typische Managerkrankheit. Aber ich glaube, da hat sich in der letzten Zeit einiges getan. Es sind nicht nur die, die wir glauben, behandeln zu müssen.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Die koronare Herzkrankheit, die Verkalkung der Kranzgefäße, ist garantiert keine Managerkrankheit. Wir finden sie gerade in Bevölkerungsgruppen, die sich schlecht ernähren – und das sind üblicherweise keine Manager, sondern Menschen, die sogenanntes Junkfood schnell an der U-Bahn-Haltestelle konsumieren oder im Lift den Burger zu Ende essen. In diesen Bevölkerungsgruppen kommen wesentlich häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Auch der Nikotinkonsum ist in diesen Bevölkerungsgruppen eindeutig höher.

    Dr. Roman Szeliga: Und wo liegt zwischen Männern und Frauen der Unterschied?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Der Unterschied liegt in dem Fall günstig für die Frauen, indem sie im Schnitt zehn Jahre später erkranken. Sowohl was Schlaganfall als auch Herzinfarkt betrifft. Weil Frauen durch die natürlich wirkenden Hormone, die Östrogene, geschützt sind. Das ist der Grund, wieso bis zur Menopause es selten ist, dass Frauen mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus kommen. Wenn allerdings die natürliche Wirkung nachlässt, dann gilt wieder Gleichheit.

    Dr. Roman Szeliga: Es ist spannend für mich zu sehen, dass Frauen viel später zum Arzt gehen, der sie zumindest einmal begutachtet, als wir Männer. Die Frauen sagen, sie haben viel Belastung durch Kinder und Job. Da wird schon nichts sein. Wie kann man ein bisschen daran arbeiten, dass man gerade, wenn wir es vielleicht noch nicht so ernst spüren, trotzdem die ersten Warnzeichen erkennen können – vor allem als Frau?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Erstens: Wissen vermitteln durch Aufklärung, dass die Symptome durchaus ein bisschen anders sein können. Nicht so dramatisch.

    Dr. Roman Szeliga: Wie zum Beispiel?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Das kann ein Schmerz, der sich im Oberbauch projektiert, sein. Oft ist es nur eine starke Übelkeit. Diffus ausstrahlende Schmerzen. Bei einem wirklich großen Infarkt ist die Symptomatik ähnlich. Aber die Vorformen, die Frühstadien sind bei Frauen oft nicht so ausgeprägt. Da muss man mit aller Selbstkritik sagen, sie werden von Ärzten nicht so ernst genommen. Die Frauen selber nehmen sich nicht ernst und wahrscheinlich nehmen Ärzte diese nicht eindeutig beschrieben Symptomatik nicht so ernst. Das ist dann eine unglückliche Konstellation, dass Frauen dann tatsächlich einerseits später ärztliche Hilfe im Sinne von Diagnostik aufsuchen und häufiger auch weggeschickt werden, weil es schon nicht so schlimm sein wird. Diese Daten gibt es leider.

    Dr. Roman Szeliga: Haben Sie vielleicht ein Fallbeispiel, wo man früher hätte reagieren sollen, damit man einiges vermeiden hätte können?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ja. Diese konkrete Frau, das ist ein paar Wochen her, ist kürzlich mit einem Infarkt ins Krankenhaus gekommen. Da war dann die Symptomatik sehr typisch, wie wir uns das alle vorstellen: ein Brustschmerz, Übelkeit und Erbrechen. In der genauen Befragung hat sie gesagt, dass sie seit Wochen eher so ein Unwohlsein bei Belastung spürt. Das ist nicht der typische Herz-Schmerz, wie wir es aus den Lehrbüchern kennen. Hätte man da genauer hingehört, hätte man früher aktiv werden und im besten Fall diesen Herzinfarkt verhindern können.

    Dr. Roman Szeliga: Was sind diese Faktoren, die zu begutachten sind, oder wo man aufpassen muss?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Der Bluthochdruck. Das ist für jeden Menschen machbar.

    Dr. Roman Szeliga: Was sind die Normwerte?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Die werden immer wieder verändert, aber wer unter 130 zu 80 mmHg hat, hat keinen Bluthochdruck. Aber das muss nicht immer sein. Der Bluthochdruck ist keine Konstante und verändert sich. Aber wenn wir viele Werte haben, die hintereinander gemessen darüber liegen, dann muss man sich zumindest kritisch mit seinem Blutdruck auseinandersetzen.

    Dr. Roman Szeliga: Wie oft soll man messen?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Das kommt letztlich darauf an. Man kann jeden zweiten Tag in die Apotheke gehen. Da hat der Apotheker keine Freude, aber selber hat man viele Blutdruckwerte. Aber jeder hat eine Großmutter, die zuhause einen Blutdruckmesser hat. Da freut sich die Oma, wenn sie bei der Gelegenheit immer Besuch bekommt.

    Dr. Roman Szeliga: Und man kann schauen, ob es der Oma noch gut geht.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Genau. Es hat viele soziale und für einen selbst praktische Aspekte.

    Dr. Roman Szeliga: Wenn man keine Oma hat, kann man für wenig Geld selbst ein Blutdruckgerät kaufen.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ich glaube um die 29 Euro kosten die Blutdruckmessgeräte. Aber es gab eine oberösterreichische Initiative, wo tatsächlich über die Apotheken ein Aufruf an die Bevölkerung erfolgt ist, die gesagt haben „Kommt und messt euren Blutdruck.“ Quasi so oft ihr wollt. Da ist bei vielen Menschen, die nicht wussten, dass sie hohen Blutdruck haben, das erstmals erkannt worden.

    Dr. Roman Szeliga: Eine einfache Methode, um zu sehen ob das Herz in Ordnung ist, oder man genauer hinsehen sollte.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Genau.

    Dr. Roman Szeliga: Jetzt gehen Menschen eher ungern zu Ärzten. „Die Zeit heilt alle Wunden“ könnte auch in manchen Wartezimmern entstanden sein. Wie bringt man Patienten, die es notwendig hätten, zum Arzt?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Jemand, der raucht, hat auf jeden Fall ein erhöhtes Risiko. Oder jemand der eine familiäre Vorbelastung hat. Das ist oft ein Schockmoment, wenn plötzlich der Vater mit 58 einen Infarkt hat. Unter 60 Jahren ist ein junges Infarktalter. Dann sollte jemand daran denken, wenn vielleicht eine familiäre ungünstige Konstellation, meist durch den Fettstoffwechsel bedingt, herrscht.

    Das machen wir im Krankenhaus aktiv und sollten auch niedergelassene Ärzte machen: Bitte lassen Sie von Ihren Kindern auch das Blut untersuchen, ob eine Konstellation vorliegt, die auf eine Wahrscheinlichkeit für einen späteren Herzinfarkt hinweist.

    Dr. Roman Szeliga: Gibt es sonst noch andere Anlaufstellen, wo man hingehen kann, außer die Arztpraxen?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ich glaube, man kann in Österreich nicht in ein Labor gehen, ohne die Zuweisung durch einen Arzt. Es gibt die Gesundenuntersuchung, die jeder Mensch ab 40 Jahren konsumieren soll.

    Es gibt Daten, die sind erschreckend. Wie wenige Menschen eine einfache Untersuchung, wie Blutdruckmessen oder eine Blutabnahme, die Auskunft über den Blutzuckerwert gibt – es gibt sehr viele unerkannte Diabetiker, die noch gut behandelt werden könnten – nicht in Anspruch nehmen. Abgesehen von anderen Untersuchungen, die mit Herz-Kreislauf nichts zu tun haben. Es gibt sehr einfache Untersuchungen, wo man viele Krankheiten abdecken kann.

    Dr. Roman Szeliga: Jetzt haben wir von dem berühmten Herzinfarkt geplaudert, wenn ein Herzkranzgefäß verstopft ist. Aber es gibt auch diese Herzinsuffizienz – also das Herz pumpt nicht mehr so gut, wie es soll. Was ist diese Herzinsuffizienz? Und warum ist das etwas, dass die Leute nicht so wahrhaben wollen?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Herzinsuffizienz heißt, der Herzmuskel pumpt nicht so viel Blut aus dem Herzen, um den ganzen Körper mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Das kann man sich gut vorstellen, da Sie eingangs eine so beeindruckende Zahl von Herzaktionen genannt haben. Wenn sich das über eine längere Zeit hinzieht, dass es zu einer chronischen Unterversorgung mit Sauerstoff dieser Organe kommt, macht das anfangs wenig bis keine Symptome. Oder man verdrängt es. „Jetzt bin ich schon so alt und kann die Stiegen nicht mehr hinaufgehen und bekomme keine Luft.“ Würde man dem Symptom „Ich kriege keine Luft“ früher nachgehen, könnte man natürlich viel besser mit Diagnostik und vor allen Dingen Therapie reagieren.

    Dr. Roman Szeliga: Kurz zusammengefasst: Es gibt Risikofaktoren. Wenn ich Übergewicht habe, rauche oder familiäre Vorerkrankungen habe. Was wäre ein Alarmzeichen, wo man wirklich zum Arzt gehen sollte. Welche Beschwerden habe ich? Egal, ob ich an die Herzinsuffizienz denke, den Herzinfarkt oder Vorstufen.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Plakativ jede plötzlich oder widerholt sich zeigende Symptomatik, die bis vor kurzem nicht so war. Das kann ein Druck, ein Schmerz oder auch die berühmte Atemnot sein. Wenn man rekapituliert, wie ist es einem vor drei Monaten ergangen? Wie leicht konnte ich da zwei Stockwerke raufgehen und jetzt muss ich im ersten Halbstock stehen bleiben – das ist ein Alarmzeichen, ohne dass es eine dramatische Symptomatik für den Patienten ist.

    Dr. Roman Szeliga: Ich habe auch recherchiert, dass die Anzahl der Herzinfarkte zwischen Weihnachten und Neujahr am höchsten ist. Im Gegensatz zum Übergewicht, das nimmt zwischen Neujahr und Weihnachten noch mehr zu. Montag ist der risikoreichste Tag – wieso das?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Weil offensichtlich das Wochenende in einer Kumulation zu einem Ausbruch einer Erkrankung führt, die latent schlummert. Sprich: eine Engstelle eines Herzkranzgefäßes – sogenannte Plaque – und Stressfaktoren, wie exzessives Rauchen, zu viel essen. Alle Faktoren, die am Wochenende zusammenwirken und am Montag zum Infarkt führen.

    Dr. Roman Szeliga: Frau Professor, die nächsten Minuten zum Abschluss habe ich etwas Besonderes für Sie vorbereitet. Einen sogenannten Wordrap. Ich bin sehr gespannt. Keine Sorge, es wird nicht weh tun – oder vielleicht doch.

    Dr. Roman Szeliga: Wie betreibt eine Kardiologin Herzvorsorge?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Indem sie nicht raucht, sich ihre Blutwerte analysieren lässt und Bewegung macht. In Form von Schwimmen und möglichst viel gehen – aber nicht genug.

    Dr. Roman Szeliga: Das war schön ehrlich. Kennen Sie Ihre eigenen Blutdruck- und Cholesterin-Werte?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ja.

    Dr. Roman Szeliga: Und sind Sie zufrieden?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Sehr sogar. (lacht)

    Dr. Roman Szeliga: Wann haben Sie zum letzten Mal einen gesunden, guten Vorsatz gebrochen?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Als ich jemanden am Lift getroffen habe und dann doch eingestiegen bin.

    Dr. Roman Szeliga: Herzklopfen hatten Sie zuletzt…?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: … vor einem großen Vortrag vor ganz vielen Leuten, wo ich wusste, da sitzen viele kritische Leute, die mich nachher schrecklich viel fragen werden.

    Dr. Roman Szeliga: Haben Sie das getan?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Weniger schlimm als erwartet.

    Dr. Roman Szeliga: Ihre 3 besten Tipps, wenn jemand das Gefühl hat, das Herz schlägt nicht richtig.

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Blutdruck messen. Weil ich beim Blutdruck messen auch den Puls mit messe. Wenn das immer sehr variiert und sehr unterschiedliche Werte ergibt, ist das ein Hinweis für eine Herzrhythmusstörung. Der Idealzustand ist einen Arzt zu erreichen, um sich ein EKG schreiben zu lassen. Dann gibt es noch ganz aufwändige Geschichten, aber diese zwei Punkte sind die wichtigsten.

    Dr. Roman Szeliga: Die erste Herzkrankheit wurde vor 3.500 Jahren bei einer Mumie entdeckt. Jetzt haben wir mittlerweile eine große Entwicklung gemacht. Wenn wir uns in 10 Jahren in diesem Setting wiedersehen, was soll sich in der Prävention, also in der Vorsorge im Rahmen von Herzkrankheiten positiv verändert haben? Was wünschen Sie sich da?

    Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: Ich wünsche mir, dass noch mehr Patienten ihren hohen Blutdruck rechtzeitig erkennen. Weil es aus der Geschichte der letzten 50 Jahre in der entwickelten Welt sensationelle Daten gibt, wie sich die Herzkreislauf-Morbidität und -Mortalität dramatisch reduzieren konnte, einfach aufgrund der Tatsache, dass Menschen ihren Blutdruck gut behandelt haben. Und heute noch in der sogenannten dritten Welt viele Menschen mit 50 Jahren an einen Schlaganfall sterben, weil es diese Therapie nicht gibt.

    Dr. Roman Szeliga: Es gibt einen kardio-protektiven Effekt, den Sie noch nicht erwähnt haben. Den würde ich noch gern erwähnen. Und zwar ist das Schokolade mit einem sehr hohen Kakaoanteil. Weil heute Valentinstag ist, habe ich Ihnen Schokolade mitgebracht. Ich sage vielen Dank für das Interview und die Tipps, die man so vielleicht nicht bekommt.

    Und Ihnen allen sage ich: Hören Sie mehr auf Ihr Herz und manchmal weniger auf das Hirn. Denn das Herz schlug schon, bevor Sie denken konnten. In diesem Sinne vielen Dank und bleiben Sie gesund.

     

    AT/NONCMCGM/0219/0009 02/2019

  • FOLGE 2

    Auf den Puls gefühlt – Was hat die Musik die wir hören mit unserer Herzfrequenz zu tun

    Aus unserem Pulsschlag, den wir am Handgelenk oder an der Halsschlagader fühlen können, wurden seit der Antike Rückschlüsse auf die Funktion des Herz-Kreislaufsystems bzw. Erkrankungen des Herzens und der Gefäße…

    FOLGE 2

    Auf den Puls gefühlt – Was hat die Musik die wir hören mit unserer Herzfrequenz zu tun

    Dr. Thomas Stefenelli

    Prim. Univ.- Prof. Dr. Thomas Stefenelli ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie, tätig in der Co-Ordination und als Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung am Donauspital.

    Transkript: Auf den Puls gefühlt

    Univ.-Prof. Dr. Thomas Stefenelli

    (Co-Ordination, 1080-Wien; Vorstand, 1. Med. Abt., Donauspital)

    Aus unserem Pulsschlag, den wir am Handgelenk oder an der Halsschlagader fühlen können, wurden seit der Antike Rückschlüsse auf die Funktion des Herz-Kreislaufsystems bzw. Erkrankungen des Herzens und der Gefäße gezogen.

    Beurteilt wird der Rhythmus (ob rhythmisch oder unrhythmisch), die Qualität des Pulses (z.B. als celer et altus oder parvus et tardus) und die Herzfrequenz.

    Die – unter Anführungszeichen – „normale“ Herzfrequenz wird bis heute im Erwachsenenalter sehr breit zwischen 50 und 100 Schlägen pro Minute angegeben.

    Sie unterliegt einer Vielzahl von Einflüssen: Hormone, wie Adrenalin oder Noradrenalin, aber auch das Schilddrüsenhormon Thyroxin erhöhen den Pulsschlag, so genannte Vagusreize reduzieren über das parasympathische Nervensystem die Herzfrequenz.

    Bei Erkrankungen, bei denen wie z.B. bei Fieber, der gesamte Grundumsatz des Körpers erhöht ist, ist auch der Puls schneller.

    Eine Vielzahl an Substanzen bzw. Medikamenten können den Puls positiv wie negativ beeinflussen.

    Während physischer Belastung benötigt unser Körper mehr Energie und Sauerstoff. Dieser Mehrbedarf wird durch eine Zunahme des pro Minute vom Herzen in die Schlagader ausgeworfenen Blutvolumens gedeckt. Dieses pro Minute gepumpte Blutvolumen, das sogenannte Herzminutenvolumen, ergibt sich aus einer größeren Menge pro Herzschlag ausgeworfenem Blut multipliziert mit einer rascheren Zahl an Herzschlägen. So kann durch häufigere Herzschläge mit mehr ausgeworfenem Blut der Energiebedarf auch während großer Anstrengungen gedeckt werden.

    Zum Verständnis der Herzfrequenz ist auch entscheidend zu berücksichtigen, dass sich der Zyklus zwischen zwei Herzschlägen in eine Füllungsphase – die Diastole – und eine Auswurfphase – die Systole – teilt.

    Die Zeit für die Systole, in der in Ruhe mit jedem Herzschlag rund 70 ml Blut gepumpt wird, ist relativ konstant.

    Die Zeit der Diastole, in der nicht nur die Füllung der Herzkammern, sondern auch die Durchblutung des Herzmuskels selbst erfolgt, ist frequenzabhängig.

    Das bedeutet, dass bei einer niedrigeren Herzfrequenz die Kammern besser gefüllt und das Herz selbst mit mehr Energie versorgt werden kann. Andererseits bedingt eine höhere Ruhefrequenz bei gesteigertem Energiebedarf eine geringere Zeit für die Energieversorgung des Herzmuskels sowie eine Abnahme der Füllung.

    Dies führt zu der Frage: gibt es eine „optimale“ Herzfrequenz?

    Mit anderen Worten hinterfragt: besteht ein Zusammenhang zwischen der Zahl unserer Herzschläge und unserer Lebenserwartung?

    Wie können wir unsere Herzfrequenz beeinflussen?

    Und: gibt es einen Zusammenhang zwischen unserem Puls und unseren Emotionen, Gefühlen, oder unserem Unbewussten?

    Die erste Frage ist durch wissenschaftliche Langzeit-Beobachtungen belegt.

    In der Famingham-Studie konnte unter anderem nach einem Beobachtungszeitraum von über 30 Jahren gezeigt werden, dass die Lebenserwartung mit der frühest dokumentierten Herzfrequenz korreliert.

    Bereits ab einer Ruhefrequenz von 70 Schlägen pro Minute steigt das Risiko, nach 3 Jahrzehnten frühzeitiger zu versterben.

    Dies gilt für die Gesamtsterblichkeit, aber besonders für das Ableben im Rahmen eines Herzinfarktes und den plötzlichen Herztod.

    Hochrisikogruppen sind übergewichtige Menschen mit einem Metabolischen Syndrom oder schlecht eingestellte Hochdruckpatienten mit einem Ruhepuls über 80/min.

    Für die meisten Spezies gilt, dass die Summe aller Herzschläge konstant ist.

    Auf der einen Seite haben manche Schildkröten mit 5-15 Schlägen pro Minute eine Lebenserwartung bis zu 200 Jahre, auf der anderen Seite lebt die Springmaus mit über 1000 Schlägen pro Minute nur 7-10 Tage.

    Beim Menschen ist die längste Lebenserwartung bei einer Herzfrequenz um 60/min zu erwarten, Ziel ist eine Ruhefrequenz unter 70/min.

    Als untere Grenze sollte – außer bei gesunden, sehr trainierten Menschen – ein Puls unter 50/min vermieden werden.

    Wie kann nun unser Puls beeinflusst werden?

    Das Gleichgewicht zwischen einerseits Sympathischem Nervensystem mit seinen stress-, blutdruck- und herzfrequenzerhöhende Einflüssen und andererseits dem Vagus oder parasympathischen Nervensystem mit kreislaufberuhigenden Einflüssen kann durch einen Lebensstil mit regelmäßiger Ausdauerbelastung positiv beeinflusst werden.

    Übergewichtige Menschen haben bereits eine erhöhte Frequenz, bevor sich das Vollbild eines Metabolischen Syndroms zeigt.

    Präventiv sei auf die Möglichkeit eines bewussten Lebensstils zur Verbesserung der Lebenserwartung mit Lebensqualität verwiesen.

    Einige Erkrankungen sind mit einer höheren Herzfrequenz assoziiert.

    In diesen Fällen muss primär die Grundkrankheit behandelt werden.

    Als Medikamente, welche u.a. auch die Frequenz senken können, kommen primär ß-Blocker, aber auch Ivabradin und in Einzelfällen bradykardisierende Kalzium-Antagonisten zur Anwendung.

    Ein Zusammenhang zwischen Emotionen bzw. unserem Unbewussten und Frequenz lässt sich am besten durch die wechselwirkenden Einflüsse der Musik erklären.

    Ende des Barock, also 17./18. Jahrhundert, wurde erstmals der „tactus“ definiert.

    Dadurch wurde angegeben, wie rasch ein Musikstück zu spielen ist.

    Als Richtwert orientierte man sich am menschlichen Pulsschlag.

    „Adagio“ wurde als „langsam, mit großem Ausdruck“ mit einer Frequenz von 66 bis 76/min definiert.

    „Allegro“ wird seitdem mit 112 bis 120 Schlägen gespielt.

    Bei den Frequenzangaben erinnern sich Musiker, dass mit Ganz- und Halbtönen eingezählt wird, also 1, 2 – 1,2,3,4, sodass v.a. in der heutigen Unterhaltungsmusik 60 bzw. 120 Schläge, also ganze und halbe Noten oft gleich zu interpretieren sind.

    Wenn wir das Tempo der Hintergrundmusik in manchen Radiosendern, Kaufhäusern oder Geschäften mitzählen können wir feststellen, dass fast alle dieser Musikstücke mit einer Frequenz um 120 – entsprechend einer Pulsfrequenz um 60 – gespielt werden.

    Neueste neurophysiologische Untersuchungen belegen, dass bei Musik in jenem Tempo Hirnregionen aktiviert werden, die für Wohlbefinden und Glücksgefühle verantwortlich sind.

    Andererseits aktivieren Musikstücke mit einer Frequenz um 150/min v.a. Stresszentren.

    Eine Arbeitsgruppe hat während Konzerten von Verdi, Puccini, Bach und Beethoven die Taktänderungen des Orchesters mit Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz sowie Hautdurchblutung des Publikums korreliert.

    Schon eine kurzfristige Zunahme des Tempos der Musiker bedingt einen Anstieg von Puls, Blutdruck und Atemfrequenz bei den Zuhörern und ihre Gefäße verengten sich.

    Dass den Komponisten diese Wechselwirkungen zwischen Tempo und unserem unbewussten Nervensystem sehr wohl bekannt war zeigt auch die Anspielung von Johann Strauss, wenn Rosalinde in der Fledermaus singt: „Stimmen meines Herzens Schläge – mit dem Tiktak einer Uhr? – Den Schlag des Herzens zählen Sie – und ich das Tiktak Ihrer Uhr.“

    Eindrucksvoll spielt z.B. auch Ludwig van Beethoven mit Tempovariationen am Beginn der 5. Schicksals-Symphonie.

    In der heutigen Musik finden sich viele Beispiele, wie das selbe Musikstück in gleicher Tonart mit demselben Text aber in unterschiedlichem Tempo gespielt unterschiedlichste Emotionen beim Publikum auslöst.

    Einige kurze Beispiele:

    Bei der Interpretation des „Jailhouse Rock“ anlässlich der Elvis-Gala „Divas in Las Vegas“ hält der Bass für ein etabliertes Publikum in Abendkleidung den Grundrhythmus.

    Bei der Heavy Metal-Interpretation durch Mötley Crüe werden aggressive Emotionen auch körperlich ausgelebt.

    Als 2. Beispiel seien die Fassungen von „What a wonderful world“ angeführt: zuerst Louis Armstrong und im Gegensatz dazu die englischen Punkveteranen Ramones.

    Und zuletzt 2 Interpretationen von „You never walk alone“ mit konträren Publikumsreaktionen: Die Fassung von André Rieu mit Orchester in Smoking, Engelschor und Geigensolo rührt ein glückseliges, gebannt versunkenes Auditorium zu Tränen.

    Dem gegenüber die Schluss Nummer der Toten Hosen in der „Heimspiel-Tournee“ 2005 mit bengalischen Feuern, Pogo und Stage Diving.

    Es besteht also eine enge Wechselwirkung zwischen dem Tactus, dem Tempo oder eben der Frequenz und unserem Unbewussten.

    Generell gilt, dass unser Pulsschlag unter akustischer Stimulation ansteigt.

    Der Herzfrequenzanstieg ist dabei abhängig von der Ruhefrequenz und wird durch das sympathische Nervensystem getriggert.

    In der Praxis bedeutet dies, dass unabhängig von der gerade gehörten Musikrichtung je nach körperlicher Anstrengung das Tempo unter der eigenen Herzfrequenz liegen sollte, um weitere Anstiege zu vermeiden.

    Dies gilt besonders für die Musikwahl beim Joggen oder anderen sportlichen Belastungen.

    Aber, haben diese Einflüsse der Musik auch im Langzeitverlauf Auswirkungen auf unsere Lebensqualität und Lebenserwartung?

    Eine Kanadische Erhebung hat unlängst gezeigt, dass Menschen, welche regelmäßig klassische Musik oder so genannte „popular music“, also Musik mit überwiegend Frequenzen um 60 hören um 10% gesunder sind und zu mehr Sozialverhalten tendieren.

    Bei Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann täglich rund 30 Minuten Musik mit einem Tempo um 60 den Blutdruck um 12 mmHg systolisch bzw. 5 mmHg diastolisch senken.

    Parallel dazu sind eine Abnahme der Herzfrequenz und eine Zunahme des Blutflusses im Sinne einer besseren Durchblutung zu erwarten.

    In der Rehabilitation nach Herzattacken oder Herzoperationen wurden unter Musiktherapie weiniger Schmerzen und Angst angegeben.

    In der Patientenseite der berühmten Bostoner Harvard Medical School wird zusammengefasst: Musiktherapie oder einfach nur Musik hören kann gut für Ihr Herz sein.

    Der optimale Ziel-Bereich unserer Ruhefrequenz liegt zwischen 60 und 70 Schlägen pro Minute.

    AT/NONCMCGM/0419/0018   04/2019

  • FOLGE 3

    Das “Medikament” Sport

    In dieser Folge spricht der Herzkasperl über das Medikament Sport und welche positiven Auswirkungen Bewegung auf Körper, Geist und Seele hat. Ebenso hat er motivierende Facts und Tipps parat und…

    FOLGE 3

    Das “Medikament” Sport

    Herzkasperl

    Transkript: Das “Medikament” Sport

    Herzlich willkommen zu Herzkasperl & Zuckerpuppe. Heute mit mir, dem Herzkasperl! Letztes Mal ging’s um „Gesundheit als Faktor für Glück“.

    Das passt auch ganz gut zu meinem heutigen Thema „Sport für’s Herz“. Denn Bewegung tut nicht nur unserem Körper gut, sondern beflügelt auch Geist und Seele.1

    Nur wie fängt man damit an? Für mich als Herzkasperl gar keine leichte Aufgabe. Schließlich will ich mich nicht überanstrengen, aber nichts tun ist auch keine Option. Und dann ist da noch die Macht der Gewohnheit und der Schweinehund [stöhn!].

    Fakt ist aber: Sport wirkt cholesterin- und blutdrucksenkend, damit beeinflusst es zwei wesentliche Risikofaktoren von Herzerkrankungen. 2 [Räuspern / Ähmmm] Und da muss ich was tun. Sie auch? Ich nehm’ Sie mit auf meine Reise: Wie ich, der Herzkasperl, lernte, das Medikament Sport richtig für mich zu nützen! Achtung Zuckerpuppe, das ist auch was für dich: Bewegung vermindert nämlich auch das Risiko, den Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln!

    Als Erstes hab’ ich mich mal informiert. Und hab kurz meinem inneren Schweinehund nachgegeben. Schließlich ist schnell mal am Computer recherchiert, schneller jedenfalls als eine Runde gejoggt. 😉

    Oberstes Gebot: Wenn Sie an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welcher Sport für Sie geeignet ist und wie Sie damit am besten beginnen. Denn der „falsche Sport“ kann gefährliche Nebenwirkungen haben – und sogar zu einer Verschlechterung der Herzerkrankung führen. Also alles mit Maß und Ziel! 2

    Bevor es nun schweißtreibend wird noch etwas Motivierendes:

    • Regelmäßiges aerobes Training – das heißt, Training mit etwas niedrigerer Belastung wie zum Beispiel Dauerlauf – das reduziert den Blutdruck bei Bluthochdruck bzw. verzögert oder verhindert sogar die Entwicklung von einer Hypertonie.
    • Es steigert auch die Durchblutung im Bereich des Herzens
    • Regelmäßige Bewegung hilft das Körpergewicht zu kontrollieren und mindert das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

    Die Liste könnte ich noch lange so weiterführen. Aber ich glaube es ist klargeworden: Bewegung tut unserem Herz-Kreislauf-System, dass uns rund um die Uhr mit Sauerstoff versorgt, etwas Gutes und unterstützt es dabei, auch weiterhin gute Arbeit zu leisten.2

    So jetzt geht’s los: Ich habe mich für das klassische Laufen entschieden. Fahrradfahren, Wandern Nordic Walking, ausgedehnte Sparziergänge oder Schwimmen, wie es meine Kollegin Zuckerpuppe macht, sind ebenfalls ideal fürs Herz.3

    Nicht gleich von 0 auf 100: Ich war zu Beginn skeptisch, dass ich am Anfang nur 10 Minuten gemächlich laufen und alle 2 Minuten eine kurze Gehpause einlegen sollte. Im Nachhinein war das aber perfekt! Steigern Sie sich langsam und spüren Sie dabei, wie es Ihrem Körper damit geht. In meinem ersten Laufmonat habe ich mich jede Woche um 5-10 Minuten gesteigert. Nach vier Wochen bin ich dann schon vier- bis fünfmal die Woche 30 Minuten gelaufen.3

    Wie schon erwähnt, sollten Sie sich in den ersten Einheiten nicht zu intensiv belasten. Joggen, schwimmen oder fahren Sie so schnell Rad, dass Sie zwar schwitzen, Sie sich aber noch gut unterhalten können. Allerdings sollten Herzpatienten wie schon eingangs erwähnt ihre Belastbarkeit individuell mit ihrem Arzt besprechen.

    Ich bin jedenfalls wirklich erstaunt, wie schnell ich mich verbessert habe. Durch die schnellen Erfolge ist nicht nur meine Motivation gestiegen, sondern auch mein inneres Wohlbefinden. Gerade Schnellschüsse, bei denen auf Biegen und Brechen tolle Ergebnisse erzielt werden sollen, sind oft zum Scheitern verurteilt. Und warum? Ganz einfach, weil durch die nicht angepasste Trainingsintensität Gelenke und das Herzkreis-Lauf-System überlastet werden und sich schnell Frust einstellt.3

    Apropos Gelenke: Mein Onkel und seine Frau schwören auf Bewegung im Wasser. Er krault und schwimmt auf dem Rücken. Sie macht Wassergymnastik und Aqua-Jogging. Das schont die Gelenke und hält fit! Wer nicht so auf Wasser steht, sollte es bei Knieproblemen mit Nordic Walking probieren.6

    Alle, die lieber ins Fitnessstudio gehen oder jedenfalls dafür angemeldet sind [ja, die Anmeldung ist ja auch schon was *lach*], können sich beim Rudern oder am Crosstrainer in Form bringen. Beide bringen den gesamten Körper in Bewegung und sind trotzdem gelenkschonend. Der Crosstrainer ist auch eine gute Möglichkeit einmal auszuloten, wie sich der Körper bei Belastung verhält. Wie schon erwähnt, ist es das Um und Auf sich langsam zu steigern und nicht zu viel zu wollen.6

    Auch meine Nachbarin Frau Mayerhofer habe ich mit meiner Begeisterung angesteckt, obwohl Sie immer darüber klagt, dass Familie und Arbeit sie so auf Trab halten, dass keine Zeit für Sport bleibt. Selbst ein bis zwei Einheiten an Ausdauersport können einen deutlich positiven Effekt haben. Sie ist jedenfalls viel ausgeglichener und weniger gestresst, seit sie sich zweimal die Woche auf’s Fahrrad schwingt und zusätzlich gönnt sie sich dabei Zeit für sich selbst.3

    In den ersten 12 Wochen habe ich unterschiedlich intensiv trainiert, verschiedene Laufstrecken ausprobiert und die Trainingsdauer variiert. Mir ist nämlich recht schnell der Spaß an der immer gleichen Laufstrecke vergangen. Mein Tipp: Finger weg von einem monotonen Trainingsablauf. Immer wieder dieselbe Strecke im gleichen Tempo zu laufen ist auf Dauer einfach langweilig und demotivierend.3 Das gilt natürlich auch für andere Sportarten wie Radfahren.

    Nach drei Monaten darf ich behaupten, dass ich schon langsam zum Laufstreber mutiert bin. Um mich noch mehr zu motivieren, hab’ ich mich einem Lauftreff angeschlossen. Nicht nur ideal für alle, die mit Gleichgesinnten laufen wollen, sondern besonders geeignet für alle, die den Sprung zum regelmäßigen Sport noch schaffen und langfristig dranbleiben wollen. Denn zusammen macht’s einfach mehr Spaß! Nordic-Walking- und Lauf-Gruppen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und werden eigentlich allerorts angeboten. Auch zum Thema Aqua-Gymnastik, Schwimmen, Radfahren und Co werden Kurse oder Treffs für Gleichgesinnte veranstaltet – im Netz werden Sie sicher fündig, zum Beispiel bei wien.gv.at ! 3

    Wichtig – nicht immer läuft’s rund! An manchen Tagen geht’s einfach besser als an anderen. Das hat sich auch mein Arbeitskollege Franz gedacht, der mit mir immer mal wieder mitgelaufen ist. Er hat aber immer wieder über einen massiven Druck im Brustraum während des Laufens geklagt. Zum Glück hat er seine Beschwerden ernst genommen und es mit seinem Arzt abgeklärt. Nun trainiert er nach einem individuellen Bewegungsplan.3

    Sie sehen, es ist wichtig, auf Alarmsignale wie starke Schmerzen oder massiven Druck im Brustraum zu achten und nicht zu verharmlosen, sondern abzuklären. Hören Sie auf Ihren Körper und nehmen Sie Alarmsignale wahr!3

    Dazu passt ganz gut, dass ich immer wieder von Kollegen, Freunden und Bekannten zu hören bekomme, dass sie keinen Ausdauersport machen dürfen. Für alle, die sich auch dahinter verstecken: Herzerkrankungen sind in den meisten Fällen kein Grund, auf Ausdauersport zu verzichten. Im Gegenteil: Bei vielen Herzerkrankungen wird heute sogar ausdrücklich dazu geraten! Natürlich gilt immer: Halten Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache.

    Zum Schluss möchte ich noch eine Lanze für alle brechen, denen der Schweinehund immer einen Strich durch die Rechnung macht! Sie müssen nicht von heute auf morgen mit einem Ausdauersport anfangen. Beginnen Sie mit kleinen Dingen, die langsam zur Gewohnheit werden, um Ihr Bewegungssoll zu erhöhen.

    Wussten Sie, dass wir in Österreich im Durchschnitt 5.251 Schritte pro Tag4 gehen? Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten es aber täglich 10.000 Schritte sein – das sind 6,3 bis 7,3 Kilometer zu Fuß pro Tag! Mal ganz ehrlich, gehen Sie das jeden Tag – oder wenigsten die Hälfte? Wie es bei den 5.251 Schritten im Durchschnitt in Österreich der Fall wäre – also immerhin um die 3 Kilometer.5Also ich hab’s nicht getan! Es ist ja auch schön: Mit den Öffis oder dem Auto in die Arbeit und dazwischen Lift und Rolltreppe. Was bleibt da noch an Schritten übrig?

    Da lässt sich also schon einiges machen, um sich täglich mehr zu bewegen – ich habe die ersten Schritte zu einer besseren Herz-Kreislauf-Gesundheit für Sie gesammelt, z.B.:

    • Nehmen Sie öfter die Treppe statt Lift und Rolltreppe
    • Wie weit ist es eigentlich mit dem Fahrrad von Ihnen in die Arbeit? Vielleicht geht’s in Zukunft mit dem Rad ins Büro, selbst einmal pro Woche ist besser als nie! Oder machen Sie mal ein Meeting im Stehen.
    • Nutzen Sie Ihre Mittagspause für einen Spaziergang an der frischen Luft.
    • Steigen Sie doch mal schon ein oder zwei Stationen früher aus und gehen Sie den Rest zu Fuß – gerade nach der Arbeit ideal, um nicht nur seine Beine zu vertreten, sondern auch den Kopf auszulüften.
    • Bauen Sie in Ihren Feierabend doch vermehrt einen Spaziergang mit dem Partner bzw. der Partnerin oder Freunden ein – anstatt sich in einem Lokal zu verabreden.

    Sie werden sehen, haben Sie diese Abläufe erst einmal in Ihren Alltag eingebaut, wird es Ihnen leichter fallen, den nächsten größeren Schritt in Richtung Ausdauersport zu gehen. Und denken Sie nicht, dass ich oder sogar Profisportler nicht auch ab und an den Schweinehund in sich spüren. Das ist ganz normal. Mein Tipp, wenn Sie wieder der Schweinehund überkommt: Denken Sie daran, wie es Ihnen geht, wenn Sie sich gegen Ihren Schweinehund durchgesetzt haben –bei mir z.B. nach einer Sporteinheit, dann fühle ich mich zufrieden. Das ist für mich Ansporn genug!

    Fassen wir noch einmal zusammen: Bewegung tut unserem Herz-Kreislauf-System gut. Sport in der richtigen Dosierung wirkt cholesterin- und blutdrucksenkend. Zusätzlich arbeitet das Herz durch die sinkende Pulsfrequenz effizienter.

    Sollten sie an einer Herzerkrankung leiden oder ein erhöhtes Risiko dafür haben, sollten Sie vorab Ihren Arzt kontaktieren, um beim Sport und beim Trainingsplan individuell auf Ihre Bedürfnisse einzugehen.

    Und noch ein Fun-Fact zum Schluss: Sumo-Ringer, die bekanntermaßen hochgradig adipös sind, haben kein wesentlich erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko, wenn sie aktiv im Training sind. Anders sieht es natürlich aus, wenn sie sich nicht mehr im Training befinden. Dann steigt das Risiko stark an. Es scheint, dass das Körpergewicht allein nicht ausschlaggebend für die Entstehung von Herzerkrankungen ist, sondern eher das viszerale Fett – das sogenannte Bauchfett.2 Aber auch hier hilft Bewegung. Mein Bauch ist schon weniger geworden. 😉 In diesem Sinne viel Spaß beim Bewegen!

    Ruhig Blut bis zum nächsten Mal – da widmet sich die Zuckerpuppe dann dem Thema Diabetes.

    WIR hören uns erst zum Thema Schlafrhythmus & -wecker wieder.

    Bis dahin bleiben Sie entspannt, Ihr Herzkasperl!

     

    QUELLENANGABEN

    1 Glücklich durch Bewegung (2014): https://www.medizinpopulaer.at/archiv/bewegung-fitness/details/article/gluecklich-durch-bewegung.html

    2 Brussee Helmut (2016): Schulungsunterlagen zum E-Learning Herzsport, Universität Graz

    3 Herzstiftung: https://www.herzstiftung.de/Ausdauersport.html

    4 Gesund durch Gehen: https://www.medizinpopulaer.at/archiv/bewegung-fitness/details/article/gesund-durch-gehen.html

    5 Wo wie viel gegangen wird: https://orf.at/v2/stories/2399015/2399016/

    6 Gelenkschonende Sportarten: https://www.bauerfeind.de/de/themen/bewegung-gesundheit/gelenkschonende-sportarten.html

    AT/NONCMCGM/0919/0042 10/2019