ALLGEMEINE
GESUNDHEITSTHEMEN

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  • FOLGE 1

    Gendermedizin am Weltfrauentag – Gender in Bezug auf Diabetes und Herzgesundheit

    In dieser Merck Cast-Folge spricht Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer über die Gender-Medizin und beleuchtet die gesundheitlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau.

    FOLGE 1

    Gendermedizin am Weltfrauentag – Gender in Bezug auf Diabetes und Herzgesundheit

    Dr. Alexandra Kautzky-Willer

    Sie ist Professorin für Gender Medicine an der Medizinischen Universität Wien, Leiterin der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel sowie der Universitätsklinik für Innere Medizin III des AKH Wien. Dr. Alexandra Kautzky-Willer ist Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin sowie der International Society of Gender Medicine.

    Transkript: Gendermedizin am Weltfrauentag – Gender in Bezug auf Diabetes und Herzgesundheit

    Hallo und herzlich Willkommen bei Merck Cast, dem Gesundheitspodcast. Heute haben wir wieder einen tollen Gast bei uns im Studio. Begrüßen Sie mit mir Frau Dr. Alexandra Kautzky-Willer.

    Mein Name ist Alexandra Kautzky-Willer. Ich bin Internistin, Endokrinologin und an der medizinischen Universitätsklinik in Wien tätig. Ich habe die Professur für Gender-Medizin seit 2010. Das war die erste Professur in Österreich für Gender-Medizin. Ich leite die Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel im AKH an der Medizinischen Universität Wien und die Gender Medicine Unit.

    Was ist Gender-Medizin?

    Gender-Medizin beschäftigt sich mit den Unterschieden ebenso wie mit den Gemeinsamkeiten zwischen Männern und Frauen, in allem was Gesundheit und Krankheit betrifft. Das heißt es geht hier um die Unterschiede in den Risikofaktoren, in den Symptomen von Krankheiten, im Altersgipfel wann diese Erkrankungen auftreten, wie häufig sie sind und vor allem auch um die unterschiedlichen Therapien und das Ansprechen auf Medikamente.

    Das heißt, es betrifft alle Krankheiten und genauso aber auch die Gesundheitsförderung, die Prävention. Auch hier sind wichtige Unterschiede, die sich schon aus dem unterschiedlichen Lebensstil von Männern und Frauen ergeben. Diese Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Gesundheitsfragen beruhen einerseits auf biologischen Unterschieden, auf genetischen Unterschieden, nämlich den unterschiedlichen Geschlechtschromosomen – Frauen haben zwei X-Chromosomen, Männer haben X- und Y-Chromosom. Auf dem Y-Chromosom sind vor allem jene Gene, die für die Fortpflanzung und Sexualität, für die Potenz, verantwortlich sind. Am X-Chromosom vor allem solche für das Immunsystem, die Herzfunktionen und auch die Gehirnfunktionen. Also sehr viele wichtige Genfunktionen.

    Frauen haben dadurch ein besseres Immunsystem, sind besser geschützt vor Infektionskrankheiten. Aber andererseits sind sie dafür anfälliger für Autoimmunerkrankungen. Generell leben Frauen ca. fünf bis sechs Jahre länger als Männer. Das ist in Österreich, in ganz Europa so. Das beruht eben auf der genetischen Situation und auch den Sexualhormonen – das ist die zweite wichtige Komponente der biologischen Unterschiede. Bei Frauen dominieren eben Östrogen und Progesteron von der Pubertät an bis zur Menopause. Und bei Männern ist das dominierende Hormon das Testosteron, das auch zeitlebens relativ hoch bleibt. Viele Männer haben auch im hohen Alter noch hohe Testosteronspiegel. Bei Frauen ist das ganz anders. Hier hat man diese zyklusabhängigen Schwankungen der Sexualhormone bis zur Menopause und dann fällt zuerst das Progesteron und dann das Östrogen sehr stark ab. Es verändert sich der Körper und das Risiko für viele Krankheiten.

    Frauen sind also durch das Östrogen und die Gene in gewisser Weise geschützt vor Herzkreislauferkrankungen für lange Zeit. Die Männer erkranken üblicherweise zehn Jahre früher an Herzinfarkt oder Schlaganfall. Aber über die ganze Lebenszeit gesehen ist es so, dass dann letztendlich mehr Frauen als Männer – jede zweite Frau praktisch – an Herzkreislauferkrankungen verstirbt. Sie erkranken eben nur später und es gibt andere Zusatzprobleme.

    Neben diesem biologischen Unterschied sind die psychosozialen Unterschiede ganz wichtig. Gesellschaftliche Faktoren. Rollenbilder – Was ist die Erwartungshaltung? Was sind die Anforderungen, die Belastungen, die auf Männer und Frauen einwirken, sowohl im Berufsleben, als auch im Privatleben? Wer macht mehr unbezahlte Arbeit? Das sind eben nach wie vor die Frauen. Das führt auch letztlich zu mehr Stressbelastung und Mehrfachbelastung und das erhöht dann auch das Krankheitsrisiko in jüngeren Jahren.

    Was wir klar sehen ist, dass wir vor allem jüngere Frauen – wir sprechen von Frauen vor dem 50. Lebensjahr – zunehmend auch schon an Herzerkrankungen leiden. Es ist gerade der Deutsche Herzbericht 2018 erschienen. Er zeigt, dass generell die Sterblichkeit an Herzkreislauferkrankungen – genauso ist das in Österreich und weltweit – zurückgeht. Bei Männern stärker, als bei Frauen. Bei Frauen nehmen die Risikofaktoren zu, über die ich dann noch sprechen möchte.

    Und, dass sie mittlerweile auch ein höhere Sterberisiko haben. Das heißt, wenn sie erkranken, ist ihre Prognose sogar bei diesen Problemen schlechter. Da sind die speziellen Risikofaktoren – ein ganz wichtiger ist der Diabetes. Frauen sind zwar in ihrem Leben etwas besser geschützt gegen Diabetes wieder aufgrund von Östrogen, das die Insulinempfindlichkeit verbessert und aufgrund der unterschiedlichen Körperzusammensetzung. Sie haben üblicherweise weniger Bauchfett, weniger Leberfett – zumindest in jüngeren Jahren bis zur Menopause – was sie schützt. Nach der Menopause verschlechtert sich das dann. Aber lebensstilbedingt nimmt die Bewegung ab und ungesunde Ernährung, Übergewicht sowie noch das Rauchen und andere Einflüsse nehmen zu. Bewegungsmangel ist ein ganz essenzielles Problem, gerade bei Frauen. Auch die Pille kann wiederum in Kombination mit Rauchen das Schlaganfallrisiko besonders bei den jüngeren Frauen deutlich erhöhen. Diese Risikofaktoren nehmen eben zu.

    Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist Migräne. Bei Migräne mit Aura, also wenn gleichzeitig auch Sehstörungen auftreten, neurologische Symptome auftreten, dann muss man hier besonders achtsam sein, weil das Risiko für Schlaganfälle für Frauen stark ansteigt. Diese Risikofaktoren nehmen zu, deswegen haben wir immer mehr jüngere Frauen, die auch betroffen sind.

    Was kann man tun?

    Man muss vor allem schauen, dass diese Risikofaktoren bekannt sind. Das heißt Vorsorgeuntersuchungen sind sehr wichtig. Die Frauen müssen wissen, wie ist das Cholesterin, nämlich das LDL-Cholesterin. Vor allem, man das gegebenenfalls medikamentös gut behandeln und beeinflussen kann. Wir müssen wissen, wie ist der Blutdruck. Bis zu Menopause sind Frauen besser vor Bluthochdruck geschützt, als Männer – wieder durch den Effekt des Östrogens vor allem.

    Nach der Menopause steigt das Risiko und letztlich im hohen Lebensalter leiden Frauen sogar häufiger unter hohem Blutdruck als Männer. Wie gesagt, bis zur Menopause haben Frauen oftmals einen niedrigen Blutdruck, nachher steigt er oft stark an. Gerade in diesen Lebensphasen besonders darauf achten.

    Diabetes kann man früh erkennen, vor allem wenn man einen Zuckerbelastungstest macht. Also nicht nur nüchtern Blutzucker messen lassen. Der ist bei Frauen oft noch niedrig im Normalbereich, selbst wenn nach einer Mahlzeit die Blutzuckerwerte schon deutlich zu hoch sind. Auch der frühe Typ-2-Diabetes kann noch normalen Nüchtern-Blutzucker bei Frauen haben. Trotzdem können schon deutlich erhöhte Werte und einfach schon ein Typ-2-Diabetes manifestiert sein.

    Das heißt, Blutzuckerbelastungstest machen oder zumindest das HbA1c dazu machen lassen zum Nüchtern-Blutzucker, LDL-Cholesterin messen lassen. Blutdruck messen und zwar immer wieder nicht nur einmalig.

    Da hat man schon viele wichtige Risikofaktoren, die dann entweder bekannt sind und behandelt werden müssen, oder sowieso noch im Normbereich liegen. Des Weiteren: nicht rauchen, das ist ganz wichtig für Frauen. Rauchen schädigt Frauen noch viel mehr als Männer. Es steigert das Risiko für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, für Lungenkrebs aber auch für den Herzinfarkt, für einen Schlaganfall ca. um 20 Prozent mehr noch, als es das bei Männern tut. Selbst weniger Zigaretten, also eine geringere Dosis über kürzerem Zeitraum, schädigen Frauen mehr. Auch verschiedene andere Krebsarten, wie Blasenkrebs, Darmkrebs, hängen bei Frauen stärker mit dem Rauchen zusammen als bei Männern. Ein ganz wichtiger Appell: Bitte nicht rauchen. Oder damit aufhören.

    Alkohol nur wenig oder gar nicht. Die neuesten Daten sprechen eher, dass praktisch schon alles, was über ein halbes Glas geht, ein bisschen zu viel ist. Ansonsten kann man nur sagen möglichst wenig sitzen. Alle halbe Stunde aufstehen – Sit less! Ein ganz wichtiger Aufruf. Viel Bewegung machen und zwar sowohl Ausdauertraining, als auch Krafttraining, als auch Dehnungsübungen, damit die Flexibilität erhalten bleibt. Damit man auch etwas gegen Osteoporose tut, die Muskeln kräftig. Damit steigt auch der Grundumsatz. Man tut sich leichter, das Gewicht zu halten.

    Gerade der Weltfrauentag ist eine gute Gelegenheit, dass Frauen aufgerufen werden, auf ihre eigene Gesundheit besser zu achten, sich selbst wichtig zu nehmen. Oft genug ist es sowieso so, dass Frauen ihre eigenen Gesundheitlichen Probleme zurückstecken, sich um alle anderen kümmern, nur um die eigenen Krankheiten nicht. Es gilt auch wachsam zu sein, wenn Symptome wie Übelkeit oder Erbrechen, ein Unwohlgefühl auftreten. Herzinfarkte werden zum Beispiel bei Frauen oft noch zu spät erkannt, weil sie eben diese anderen Begleitsymptome haben, die sie im Vordergrund schildern. Und sie selber nehmen dann ihre Beschwerden nicht zu ernst und sagen „Warten wir noch, es wird schon wieder besser werden.“ Das ist ein Problem, wenn das verzögert wird, kann oft ein Herzinfarkt ablaufen, ohne, dass die richtigen Therapien gesetzt werden. Das heißt wirklich sich selbst und den Körper ernst nehmen. Frauen tuen ja viel für ihre Gesundheit. Sie gehen oft zur Vorsorge, sie gehen oft zum Arzt. Trotzdem erreichen sie Zielwerte oft schlechter als Männer. Eben den HbA1c-Wert, den Blutdruck, das LDL-Cholesterin.

    Gerade für Frauen wäre es so wichtig, diese Risikofaktoren im Zielbereich zu haben. Selbst wenn sie einen Herzinfarkt haben, ist es oft so, dass im Herzkatheter die Gefäße sogar offen sind. Das heißt, man muss hier konservativ behandeln, die Risikofaktoren alle möglichst im Zielbereich zu haben. Weil an den Gefäßen selbst kann man oft nichts tun. Das sind kleinste Gefäße, Gefäßkrämpfe, die hier zu dieser Minderdurchblutung führen, wo man nicht unmittelbar ansetzen kann.

    Auch die Herzschwäche ist ein zunehmendes Problem unserer alternden Gesellschaft. Das ist eine Errungenschaft unserer Zeit, dass wir alle älter werden. Wir sollen aber auch möglichst fit älter werden. Aber Herzschwäche ist ein Problem, dass zunimmt. Vor allem bei älteren Frauen eine Form, wo auch die Leitlinien noch nicht so gut sind, wie es bei der männlichen Form ist. Diese Form, wo die Auswurffraktion vom Herzen gut erhalten, aber der Rückfluss nicht so gut ist. Da gibt es auch verschiedenste neue Medikamente. Die Forschung ist in Gang, um auch hier bessere Leitlinien zu entwickeln. Es passiert viel, aber es ist noch sehr viel zu tun. Es ist noch sehr viel Aufholbedarf, was die Frauengesundheit betrifft. Aber es werden mittlerweile alle Medikamente auch an Frauen getestet. Es wird nichts mehr zugelassen, was nicht vorher auch bei Frauen in Studien untersucht wurde. Auch hier ist noch ganz viel zu tun, weil da noch viele offenen Fragen sind. Weil auch vor und nach der Menopause Unterschiede sein können. Der Zyklus einen Einfluss haben kann, ob man die Pille nimmt, ob man Hormonersatztherapie nimmt. Da wissen wir noch zu wenig. Aber generell wird die Gender-Medizin immer wichtiger. Auch wenn Gender-Medizin nicht Frauenmedizin ist, es geht eigentlich um Männer und Frauen. Aber bei Frauen besteht der große Aufholbedarf, weil früher eben Prototyp doch der Mann war.

    Heute am Weltfrauentag möchte ich ganz speziell die Problematik bei Frauen beleuchten. Es gibt natürlich auch bei Männern sehr vieles zu tun.

    Auch ganz wichtig ist, dass man auch auf die psychische Gesundheit achtet. Gerade bei Frauen – bei Männern natürlich auch, aber bei Frauen noch stärker – sind Depressionen, Angststörungen, psychische Störungen verbunden mit einem hohen Risiko sowohl für Diabetes als auch zum Beispiel für Herzkreislauferkrankungen. Sie haben mehr Erwartungen, dass sie auch unbezahlte Arbeit machen, egal ob das die Kinderversorgung oder in der Altenpflege ist. Sie haben mehr Schwierigkeit, sich emotional abzugrenzen, zurückzuziehen und lassen sich viel mehr in alle Probleme involvieren. Vor allem jene in der Familie sehr stark, aber auch jene, die nicht unmittelbar die Familie betreffen. Und sind viel mehr dem emotionalen, psychosozialem Druck ausgesetzt. Das ist für Frauen eine noch viel größere Belastung.

    Auch ganz wichtig ist, dass man selbst versucht, Stress zu reduzieren. Sich nicht überfordert, Auszeiten nimmt. Rückzugmöglichkeiten und sich Zeit für sich selbst nehmen. Damit man nicht in die Spirale kommt, wo man ständig chronischem Stress ausgesetzt ist. Irgendwann führt das nun mal in die gefährliche Phase, wo es zu einer Depression kommt.

    Ebenso ist wichtig, dass man sein Selbstbewusstsein stärkt und sich auch nicht verunsichern lässt, Ziele klar verfolgt und auch sich nicht zu sehr vereinnahmen lässt. Sich nicht chronisch Stress und Überforderung aussetzt, sondern immer wieder auf sich selbst achten, dass man sich zurücknimmt und Ruhezeiten gönnt. Dass man sich nicht zu viel aufhalst und auch einmal „Nein“ sagt. Frauen neigen sehr dazu „Ja“ zu sagen und noch weitere Aufgaben zu übernehmen. Das führt schnell und leicht zu großem emotionalem Stress und Überforderung und man landet irgendwann in der Depression. Frauen haben ein viel höheres Risiko, sind doppelt so häufig von Depressionen betroffen. Das wiederum steigert vor bei Frauen das Risiko enorm für z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, aber auch Diabetes. Es muss in der Behandlung dieser Krankheiten auch in der Sekundärprävention – also auch wenn schon ein Ereignis war – berücksichtig werden. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, weil sonst die Therapie nicht so gut wirken kann.

    Was wir als Besonderheit haben bei unseren Leitlinien, ist, dass wir ein eigenes Kapitel haben zu den geschlechtsspezifischen Aspekten, wo wir genau auf die Unterschiede und Risikofaktoren eingehen. Auch bei Medikamenten und deren Nebenwirkungen, was zu beachten ist.

    Zum Beispiel, dass Frauen unter Insulintherapie häufiger Unterzuckerungen haben. Dass man hier besonders aufpassen muss, die Dosis vorsichtig anpassen muss. Sie sind oft weniger schwer, dass man das Körpergewicht hier besser berücksichtigt.

    Wir haben eigene Kapitel in den Leitlinien, die auf diese Unterschiede, diese potenziellen zwischen Männern und Frauen eingehen. Diese neuen Leitlinien werden jetzt ganz neu herausgegeben und gleichzeitig zur Frühjahrestagung in Wien im Mai erscheinen.

    Ein besonderer Risikofaktor für Frauen ist natürlich auch der Schwangerschaftsdiabetes, der mittlerweile ungefähr jede zehnte Frau in der Schwangerschaft betrifft. Wer einen Schwangerschaftsdiabetes hat – die Untersuchung ist im Mutter-Kind-Pass verankert, der Zuckerbelastungstest zur Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes – muss lebenslang nachkontrolliert werden. Das ist ganz wichtig. Nach der Geburt ist der Blutzucker meistens normal, aber trotzdem besteht ein großes Risiko in den nächsten fünf bis zehn Jahren einen Typ-2-Diabetes zu bekommen. Es ist erstens die erste Nachuntersuchung nach der Geburt sehr wichtig. Diese muss ungefähr acht Wochen nach der Geburt erfolgen. Sie wird leider oft nicht wahrgenommen, weil die Frauen Stress haben mit dem Baby und nicht mehr an den Diabetes denken. Aber dieser erste Test hat einen guten Voraussagewert, wie es weitergeht. Dann ist es wichtig, dass man einen gesunden Lebensstil beibehält und regelmäßig mindestens alle zwei Jahre Kontrollen macht, damit man eben früh erkennt, wenn ein Diabetes auftritt. Oder auch, wenn weitere Schwangerschaften geplant sind, damit diese möglichst stressfrei und ohne Komplikationen ablaufen können.

    Danke für’s Zuhören und ich wünsche allen noch einen schönen, erfolgreichen Weltfrauentag.

     

    AT/NONCMCGM/0219/0013    03/2019

  • FOLGE 2

    Gesundheit als Faktor für Glück und umgekehrt

    In der aktuellen Folge des Merck Casts spricht Dr. Elisabeth Oberzaucher über das Streben nach Glück und welchen Einfluss Gesundheit und das soziale Umfeld auf das persönliche Glücksempfinden haben.

    FOLGE 2

    Gesundheit als Faktor für Glück und umgekehrt

    Dr. Elisabeth Oberzaucher

    Elisabeth Oberzaucher studierte Zoologie an den Universitäten Wien und Würzburg. Sie promovierte in Anthropologie mit Spezialisierung auf das menschliche Verhalten. Forschungsschwerpunkte: Mensch-Umwelt-Interaktionen, nonverbale Kommunikation sowie Partnerwahl und Attraktivität. Sie lehrt an der Universität Wien, leitet das Forschungsinstitut Urban Human, und ist Vizepräsidentin der International Society for Human Ethology. Ihr Buch „Homo urbanus, ein evolutionsbiologischer Blick in die Zukunft der Städte“ wurde als Wissenschaftsbuch des Jahres 2018 nominiert. www.oberzaucher.eu

    Transkript: Gesundheit als Faktor für Glück und umgekehrt

    Hallo und herzlich Willkommen beim Merck Cast, dem Gesundheitspodcast. Hier ist euer Herzkasperl. Heute haben wir wieder einen tollen Gast bei uns im Studio. Begrüßen Sie mit mir Frau Dr. Elisabeth Oberzaucher.

    Hallo. Mein Name ist Elisabeth Oberzaucher. Ich bin Verhaltensbiologin an der Uni Wien und ich setze mich mit unterschiedlichsten Faktoren des menschlichen Verhaltens auseinander – und zwar aus evolutionsbiologischer Sicht.

    Das Thema Glück beschäftigt uns alle sehr und ist eigentlich etwas, wonach wir streben. Die Frage ist, warum Glück für uns so dominant und wichtig ist. Da spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Natürlich ist das Streben nach Glück ein Hauptmotivator überhaupt etwas zu tun, überhaupt Sachen zu machen. Allerdings ist die Frage, ob man wirklich das wahre umfassende Glück jemals erreicht.

    Glück bedeutet natürlich ein vielfältiges Maß an Dingen, die passen für uns. Ein zentraler Faktor, der für uns passen muss, ist natürlich Gesundheit. Gesundheit befähigt uns dazu wirklich unser Leben zu verfolgen. Gesundheit befähigt uns auch andere Dinge in unserem Leben zu genießen. Deswegen ist Gesundheit ein sehr zentraler Faktor. Geld auf der anderen Seite wahrscheinlich eher nicht. Da gibt es viele Studien, die zeigen, dass der Besitz von materiellen Gütern wirklich nicht dafür von Nöten ist, dass wir glücklich sind. Vielmehr ist es so, dass Geld wiederum eine Quelle von Sorgen darstellen kann.

    Für Verhaltensbiologen wie mich ist es durchaus nicht so einfach Glück überhaupt zu messen. Was ist Glück überhaupt? Wenn man sich anschaut, wie Menschen glücklich aussehen, glücklich agieren, so kann das sehr vielfältig sein. Menschen können vor Glück weinen. Aber Glück kann natürlich auch so ausschauen, dass man ein strahlendes Lächeln an den Tag legt und ganz euphorisiert ist. Diese Unmöglichkeit durch Verhaltensbeobachtung an das Thema Glück anzunähern, spiegelt sich auch darin wider, wenn man Leute fragt, ob sie glücklich sind oder nicht.

    Wenn Menschen anfangen, darüber nachzudenken „Bin ich jetzt glücklich oder habe ich gerade Sorgen?“ oder „Was fehlt mir zum vollkommenen Glück?“ dann fällt uns eigentlich meist etwas ein, wo wir sagen: „Naja, das könnte noch besser gehen. Da kann man sicher noch weiterbewegen.“ Aber eigentlich sind wir sehr viel häufiger glücklich, als wir das feststellen.

    Das Streben nach Glück ist wahrscheinlich eher das Streben nach Zufriedenheit. Zufriedenheit, was man als psychologischen Zustand kennt. Auf der psychologischen Ebene wäre Zufriedenheit der Zeitpunkt, wo der Organismus mit sich selbst und der Umwelt in Übereinstimmung ist. Wo wir sozusagen im Einklang sind. Wo alle unsere Bedürfnisse gerade gedeckt sind und wo wir eigentlich keinen Grund sehen, am derzeitigen Zustand etwas zu ändern. Dieser Zustand der Zufriedenheit kann nur vorübergehend sein. Weil wenn wir in der Zufriedenheit wären und dortbleiben würden, dann würde das gleichzeitig bedeuten, dass wir im Stillstand gefangen sind. Also, dass wir uns nicht weiterbewegen, dass wir uns nicht weiterentwickeln. Und Weiterentwicklung ist nicht nur in unserem gesellschaftlichen Miteinander eine ganz wichtige Eigenschaft, sondern das bedeutet auch in der Biologie etwas ganz Besonderes. Stehen zu bleiben bedeutet nicht nur Stillstand, sondern es bedeutet – gerade biologisch gesehen – meistens sogar Rückschritt.

    Deswegen ist das Streben nach Glück einerseits zwar ein guter Motivator, um uns weiter zu verändern. Aber das Erreichen von Glück wäre eigentlich katastrophal, weil wir dann nichts mehr tun würden – uns nicht mehr bewegen würden.

    Gesundheit und Glück haben eine ganz besondere Beziehung. Einerseits ist es so, dass wir glücklich sind, wenn wir gesund sind. Also, wenn wir nicht ganz fit sind, wenn unser Körper uns sagt, ich bin nicht ganz auf der Rolle, irgendetwas fehlt mir, dann wirkt sich das auch auf das psychologische Glück negativ aus. Deswegen ist ein Verfolgen von Gesundheit rein aus Glücksmotivationsfaktoren durchaus eine gute Sache. Wie kann man das Glück „Gesundheit“ fördern? – Indem man einen gesunden Lebensstil fördert, aber natürlich auch so Sachen wie, dass man sich bewegt. Interessanterweise vergessen wir, dass wir uns bewegen können im Alltag, einfach so. Wir können zu Fuß gehen. Die meisten Menschen haben vergessen, dass ihre Füße eigentlich im Laufe der Evolution als Transportmittel erfunden worden sind und haben sie eigentlich fast zu Freizeitinstrumenten degradiert. Also: Wir fahren mit dem Auto irgendwo hin, um spazieren zu gehen. Oder wir tun sogar noch das Fahrrad hinten drauf, um dann Radfahren zu gehen. Anstatt, dass wir unseren eigenen Körper tatsächlich als Transportmittel einsetzten würden. Bewegung spielt in unserem Alltag eine sehr untergeordnete Rolle. Das führt dazu, dass wir uns sehr sesshaft darstellen, uns kaum bewegen. Und dieser Mangel an Bewegung führt auch dazu, dass alle möglichen Zivilisationskrankheiten, die aufgrund dieses Bewegungsmangels entstehen, um sich fassen können.

    Glück ist aber nicht nur Bewegung. Glück ist auch ein gutes Essen. Gutes Essen muss nicht unbedingt bedeuten, dass wir uns mit zuckerreichen, fetthaltigen Nahrungsmitteln vollstopfen. Sondern Glück kann durchaus auch sein, dass wir etwas Köstliches aber Gesundes in uns aufnehmen. Das Zelebrieren der Mahlzeit ist auch etwas, dass in unserer schnelllebigen Zeit eigentlich verloren geht. Wir versuchen möglichst wenig Zeit damit zu „verschwenden“ – sagen wir – unsere Nahrung zu uns zu nehmen. Das führt dazu, dass wir Fastfood essen. Das führt dazu, dass wir gar nicht mehr mitkriegen, was wir überhaupt in unseren Körper reintun. Das führt dann dazu, dass wir diese Befriedigung, die eigentlich durch eine gute Mahlzeit entsteht, uns wegnehmen. Uns diesen Faktor Glück stehlen. Deswegen wäre es auch notwendig, dass wir Essen wieder dort hintun, wo es einmal war – nämlich als soziale Aktion, dass wir gemeinsam etwas essen. Das wir auch die Zubereitung entsprechend zelebrieren. Da gibt es in letzter Zeit durchaus auch Entwicklungen, dass das Essen wieder diesen Stellwert gewinnt. Und dann ist es gar nicht mehr so notwendig, dass wir die ganze Zeit fett und süß essen.

    Warum macht uns süß und fett überhaupt glücklich? – Süß und fett macht uns deswegen glücklich, weil wir im Laufe der Evolutionsgeschichte diese energiereichen Nahrungsmittel anstreben mussten, weil wir da nicht so viele Kalorien so leicht zugänglich hatten wie heute. Deswegen finden wir heute noch diese energiereichen Nahrungsmittel ganz toll und großartig. Glücklicherweise haben wir aber unser Gehirn, dass uns sagt, dass wir nicht immer das tun müssen, was im Laufe der Evolutionsgeschichte entstanden ist. Sondern wir können durchaus manchmal vernünftig agieren. Nur dazu müssen wir unser Gehirn einschalten.

    Viele weitere Faktoren spielen dafür eine Rolle, wie wir durch unser Verhalten, durch unser Tun unsere Gesundheit fördern können und dadurch auch unseren Glückszustand steigern können. Auf der anderen Seite ist es aber durchaus auch so, dass glücklich sein uns auch gesund macht. Aus Erfahrung weiß man, dass Menschen, die an ihre Gesundung glauben, dass Menschen, die glücklich sind, weniger anfällig sind, weniger Probleme haben sich auch von Krankheiten zu erholen, als Menschen die zweifeln und Menschen die gleich in Unglück verfallen und nicht mehr an ihre Gesundung glauben. Diese Funktion, dass unser Glück, unser Geisteszustand, unsere Geisteshaltung sich auf unseren Körper auswirkt, das ist eigentlich schon seit Jahrtausenden bekannt. Allerdings hat es bis vor Kurzem noch nicht wirklich eine Grundlage dafür gegeben, warum das so funktioniert.

    Da gab es vor sehr kurzer Zeit eine Publikation vom IMBA (Institut für molekulare Biotechnologie) in Wien, die gezeigt hat, wie das funktioniert. Jetzt haben wir endlich eine Antwort darauf, wie denn das Glück tatsächlich unseren Körper beeinflussen kann. Wie unser Geist auf unseren Körper zurückwirken kann. Das funktioniert über einen Baustein des Glückshormons, das sogenannte BH4. Dieser Baustein des Glückshormons wirkt sich natürlich auf unseren Geisteszustand aus. Der macht uns glücklich, wenn wir ihn haben. Aber andererseits spielt er auch eine ganz wichtige Rolle dabei, wie bestimmte Stoffwechselvorgänge im Körper passieren, unter anderem die Immunantwort. BH4 steigert unsere Fähigkeit Immunreaktionen zu zeigen. Und auf diese Art und Weise können wir tatsächlich unsere Gesundheit durch unseren Geist fördern. Und jetzt haben wir auch tatsächlich auf der molekularen Ebene eine Antwort dafür, wie glücklich sein auch gesund machen kann – oder zumindest uns davor schützen kann, zu sehr krank zu werden. Das ist eine sehr fantastische Angelegenheit. Also wenn man sich anschaut, wie diese zwei Faktoren zusammenspielen, versteht man, warum das Streben nach Glück für uns Menschen so eine wichtige Angelegenheit ist. Warum wir Menschen fast diese Besessenheit haben mit diesem Streben nach Glück, weil wir auf allen Ebenen davon profitieren.

    Einerseits motiviert uns das Streben nach Glück dazu, Dinge zu tun, die wünschenswert sind. Dinge zu tun, die wir auch für unser gesamtes Dasein verfolgen sollten. Aber andererseits ist es auch so, dass das Glück uns gesund macht. Ist das nicht wundervoll?

    Ein weiterer Faktor, der uns dabei helfen kann, glücklich zu sein, ist natürlich das soziale Umfeld. Ich sollte nicht sagen „…ein weiterer Faktor“, sondern: Das ist der zentrale Faktor. Wir Menschen sind soziale Tiere. Das heißt: Die Menschen rund um uns herum, wie wir mit anderen Menschen agieren, wie wir eingebunden sind in ein soziales Netzwerk, das ist ganz zentral dabei, wie wir Glück empfinden und wie wir unser Leben auch insgesamt empfinden. Wenn wir etwas erreichen, einen Meilenstein erreichen, wenn etwas Tolles in unserem Leben passiert, dann ist das zwar ganz schön, aber es wird erst richtig toll, wenn wir das mit anderen teilen können. Idealerweise haben wir auch diese großen Schritte und Erlebnisse in unserem Leben nicht alleine, sondern im Verbund mit anderen Menschen – und idealerweise mit Menschen, die wir gerne haben. Dann wird es erst richtig schön.

    Interessanterweise sind auch diese positiven Erlebnisse etwas, das uns sozial zusammenschweißt. Wir sollten eigentlich auch danach suchen, möglichst viele positive Erlebnisse gemeinsam mit anderen zu erleben, weil das auch wiederum unsere Einbettung in unserem sozialen Netzwerk stärkt. Und je besser wir sozial eingebettet sind, desto besser ist es für uns. Da leidet auch unsere Gesundheit sonst darunter, wenn das soziale Netzwerk fehlt. Da unterscheiden sich die Geschlechter. Und zwar, wenn Männer ein gut funktionierendes soziales Netzwerk haben, dann ist ihre physische Gesundheit, ihre körperliche Gesundheit sehr positiv betroffen. Während bei Frauen hauptsächlich die psychische Gesundheit davon profitiert. Aber insgesamt kann man sagen, das soziale Netzwerk, die soziale Einbindung ist ganz wichtig für die Gesundheit aller Menschen. Und deswegen sollte das auch im Zentrum unserer Überlegungen und Bestrebungen sein.

    Wenn Sie also über Glück nachdenken, dann denken Sie über Glück nicht verkrampft nach, dass Sie Stirnfalten bekommen, sondern denken über Glück nach mit einem Lächeln in Ihrem Gesicht. Ein Lächeln, dass Sie zu Ihren Höchstleistungen motiviert. Ein Lächeln, dass sie motiviert, Dinge zu tun, die gut für die selbst sind. Und vor allem auch gut für andere um Sie herum. Dann werden Sie dem Glück einen Schritt näherkommen.

    Ich danke fürs Zuhören, ich freue mich sehr hier gewesen zu sein und freue mich schon auf das nächste Mal. Alles Liebe.

    AT/NONCMCGM/0719/0036   07/2019

  • FOLGE 3

    Motivation & Adhärenz

    Dr. Roman Szeliga erklärt in dieser Folge des Merck Cast, wie es dazu kommt, dass Medikamente nicht wie verschrieben eingenommen werden und gibt Tipps, um die Medikamenten-Adhärenz von Patienten zu…

    FOLGE 3

    Motivation & Adhärenz

    Dr. Roman Szeliga

    Er ist Arzt und Manager, Moderator, Vortragender und Autor. Die Klammer, die all das zusammenhält, ist der Humor: als soziale Kompetenz, die in der Lage ist, Menschen zu motivieren, mitzureißen und zu führen.

    Als Mitbegründer der CliniClowns erkannte Dr. Szeliga die positiven Auswirkungen des Humors auf die gesundheitliche Heilung schwerkranker Kinder. Heute setzt er sich als Vortragender dafür ein, dass auch Unternehmen das Potenzial des Humors erkennen und nutzen. Humorvoll und kurzweilig wird er uns heute durch das Interview führen.

    Transkript: Motivation & Adhärenz

    Hallo und herzlich willkommen bei Merck Cast, dem Gesundheits-Podcast. Heute haben wir wieder einen tollen Gast bei uns im Studio. Begrüßen Sie mit mir Herrn Roman Szeliga, Arzt und Kommunikationsexperte.

    Einen wunderschönen Nachmittag, Vormittag, Abend, wo immer Sie mich jetzt hören oder – ja, sehen können Sie mich nicht. Aber irgendwie ist es doch immer sehr spannend. Wenn man mit Menschen kommuniziert, man hat doch immer das Gefühl, man braucht oft jemanden, der einen beobachtet. Beobachtet vielleicht deswegen, weil man manche Dinge nicht so ganz alleine schafft.

    Wir reden heute, wie man Medikamente, wie man Therapien sinnvoll einsetzen kann und woran es oft scheitert, dass es da manchmal Probleme gibt. Ja, mein Name ist Roman Szeliga, ich bin Mediziner mit Leib und Seele. Ohne dem wäre es ziemlich blöd. Und ich möchte Ihnen ein bisschen zeigen, wo die Kommunikationsfallen sind und wie man vielleicht diese Kommunikationsfallen besser beobachten und vor allem vermeiden kann.

    Sie kennen das bestimmt: Sie haben Beschwerden und irgendwann denken Sie: „Naja, so schlimm ist es auch nicht und ich setze die Medikamente ab.“ Wobei der Arzt Ihnen vielleicht gesagt hat, insgesamt 7 Tage wären nicht schlecht. Nein, 7 Tage wären sogar sehr gut. Es gibt ganz gute Statistiken dazu und das ist ganz spannend und auch ein bisschen erschreckend, dass in Österreich diese Complience, wie es so heißt – diese Therapie-Treue, oder, wie es neu heißt, Adherence, – also die gemeinsame Therapie, das heißt, das gemeinsame Arbeiten, dass eine Therapie richtig eingesetzt wird, da gibt es ganz, ganz große Probleme. Und zwar, interessanterweise 50% der Patientinnen und Patienten nehmen die Medikamente verordnungsgemäß ein. Das heißt auf der anderen Seite, 50% nehmen sie nicht so ein, wie sie verordnet wurden. 70 bis 80% bei akuten Erkrankungen, da werden sie ja häufiger eingesetzt. 60 bis 70% bei medikamentösen Vorbeugemaßnahmen, das geht auch noch ganz, ganz, ganz gut. Allerdings bei Langzeittherapien, z.B. bei hohem Blutdruck, bei Fettstoffwechselstörungen, da sind es nur 50%. Und wenn es um Diät geht 28%. Und das kennen wir doch auch. Immer dann, wenn wir selber etwas dazu beitragen sollten und müssten, da sind wir ein bisschen lasch.

    Wie können wir uns jetzt vielleicht selber dazu motivieren, das eine oder andere sinnvoll zu machen. Motivieren, ja. Sie kennen das, Motivationstrainings, zum Beispiel, helfen immer nur dem, der sie verordnet. Auf der anderen Seite, motivieren können wir uns nur selbst. Wie funktioniert das? Erstens bräuchten wir am besten jemanden, der uns bei der Therapie unterstützt. Natürlich, der Mediziner, der Arzt, der uns sagt, wann wir was wie einnehmen sollen. Da hilft es aber oft, dass wir vielleicht den Partner mitnehmen zu einer Besprechung, vielleicht die Schwester oder den Bruder oder auch die Mutter, die uns dann unterstützt dabei, die Medikamente richtig einzunehmen. Gerade, wenn wir mehr nehmen, dann haben wir oft das große Problem, dass wir Dinge einfach vergessen.

    Auch hier ist es sehr spannend: Je mehr Medikamente wir nehmen – das fängt schon bei drei Medikamenten an – desto höher ist die Ausfallsquote. Das heißt, wir nehmen manche Tabletten, manche Therapien nicht mehr vorschriftsmäßig ein. Ganz gut ist auch die Motivation zu einem Mediziner, zu einer Medizinerin zu gehen, zu der wir gutes Vertrauen haben. Und da können Angehörige uns auch ein bisschen helfen, indem wir vielleicht auf deren Meinung vertrauen. Die sagen: Ja, der Doktor Maierhofer ist besonders nett, der hat extrem viel Erfahrung mit dem Thema Blutdruck oder Herzkranzgefäßerkrankungen. Und ich glaube auch, dass wir selber immer diese Verantwortung übernehmen sollten. Das heißt, früher war es so, dass man zum Arzt gegangen ist mit dem Auftrag: Lieber Herr Doktor, liebe Frau Doktor, mach mich gesund. Gott sei Dank hat sich da einiges geändert.

    Wir haben selbst die Möglichkeit, unsere Therapie optimal zu gestalten, indem wir nicht nur passiv agieren, sondern aktiv agieren. Das heißt zum Beispiel auch, dass ich Medikamente richtig einnehme. Wie kann ich mich dazu motivieren, beziehungsweise welche Tipps und Tricks gibt es da.

    Das Allererste, das ich einmal empfehlen würde, schreiben Sie sich ganz genau auf, was ein Mediziner Ihnen verordnet hat. Vielleicht sogar in Ihren Terminkalender. In Ihren Terminkalender, so, wie Sie andere Termine eintragen und ich glaube, das hilft genauso, wie wenn Sie ins Fitnessstudio gehen, auch da gibt es den Tipp, nicht zu sagen: ich gehe irgendwann einmal ins Fitnessstudio, sondern Montag und Mittwoch, von 8 bis 10 Uhr. Der erste Tipp.

    Kleben Sie sich kleine Zettelchen vielleicht auch an Orte, die Sie oft im Büro oder in der Wohnung benutzen und schauen Sie einmal – es kann ruhig schon einmal auf der Tür am WC kleben: Hast du heute deine Tabletten schon eingenommen? Das sind so kleine Tipps, die einem ein bisschen erleichtern, die Dinge richtig zu machen.

    Dann vielleicht, wie kann man noch Complience oder diese Adherence besser gestalten. Ich glaube, es geht darum, dass man immer wieder nachvollzieht, warum sind manche Dinge so schwierig für mich? Schmeckt das Medikament vielleicht etwas eigenartig und das ist vielleicht ein Grund, warum ich es immer wieder „zufällig vergesse“. Oder sind es zu viele Medikamente, bin ich gerade in diesem Augenblick sehr gestresst und vergesse das. Also auch das ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig, dass man diese Medikamenten-Einnahme ganz gezielt plant und auch kontrolliert.

    Wie kann sich der Einzelne jetzt selbst motivieren? Ich glaube halt immer, gesünder leben ist Kopfsache. Bei mir wird Gesundheit auch großgeschrieben, ist ja auch ein Hauptwort. Also Schritt für Schritt lassen sich diese Gewohnheiten ändern. Und ich glaube, auch wenn man das so langsam macht, dann hat das auch Chancen auf Erfolg. Die häufigsten Ursachen, warum wir krank werden, beziehungsweise, warum wir nicht gesund werden, sind auch diese berühmten Ausreden wie Stress, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung. Und ich glaube, auch das unterstützt natürlich auch unsere Therapie. Gerade, wenn wir von diesen Volkskrankheiten wie hoherBlutdruck und Diabetes – also Zuckerkrankheit – hoher Blutstoffwechsel und so weiter sprechen. All das, was nicht wehtut, das motiviert uns am wenigsten zu Veränderung.

    m Rahmen einer großen Studie, hat man herausgefunden, dass zum Beispiel nur 8.000 Schritte pro Tag, oder hochgerechnet 50.000 Schritte pro Woche, ausreichen würden, um gesünder zu leben. Das heißt, auch da wieder etwas in den täglichen Lebensrhythmus zu integrieren, ist gar nicht so schwer. Das heißt, alle die täglich zum Beispiel 10.000 Schritte absolvieren, die machen Fleißaufgaben. Also 8.000 Schritte wären ausreichend und wenn wir uns da mal bemühen, diese 8.000 Schritte zu gehen, ich glaube, das ist gar nicht so schwer.

    Ich glaube auch, diese Möglichkeit, Dinge ein bisschen anders zu sehen, sind sehr wichtig. Zum Beispiel, nicht mit dem Lift zu fahren, sondern die Treppe zu benutzen. Zu Fuß zu gehen und nicht mit der U-Bahn zu fahren. Oder mit dem Fahrrad einmal zu fahren. Alles sind so kleine Dinge, die in Summe extrem viel ergeben. Das heißt, es gilt jetzt nicht, riesengroße Ziele im Vordergrund zu haben, sondern ganz kleine Etappenziele zu setzen. Und einen praktikablen Plan zu erstellen, wie man einerseits richtig Medikamente einnehmen kann, wenn man sie braucht oder auch die Unterstützung, die oft so wichtig ist: nämlich Sport zu machen, sich gesund zu ernähren und vor allem solche Faktoren, wie das Rauchen zu lassen und vielleicht in andere Richtungen zu überlegen, ob das wirklich notwendig ist.

    Die Grundlage ist immer auch eine Form von Entspannung, das heißt, mit welchen Möglichkeiten ich Dinge angehe, ob es unter Stress passiert, oder ob es entspannend für mich ist. Diese ausgewogene, gesunde Ernährung, wenn man den Menschen sagt, ja, mediterrane Kosten – dann verstehen viele darunter Pizza. Mediterrane Kost ist zum Beispiel keine Pizza, sondern ist viel Gemüse, viel Olivenöl im Vergleich zu anderen Fettarten. Also es gibt immer wieder Möglichkeiten, da aktiv zu werden.

    Vielleicht hier auch ein kleiner Sidestep zu den Ärztinnen und Ärzten selber. Also, wenn Sie jetzt Patient, Patientin sind, dann vielleicht kurz einmal weghören – oder vielleicht nicht. Hören Sie nicht weg, sondern ich glaube, einer der wichtigsten Faktoren, der für Sie, als Patient, als auch für die Ärzte und auch für Angehörige gilt, ist Lob und Kompliment. Also die Motivation, die von außen kommt, die die innere Motivation dann fördert, ist – ja, wenn etwas positiv passiert ist, das auch bewusst zu sehen und zu kommunizieren. Also, jemandem zu sagen: „Wow, ich habe gesehen, du hast schon 5 Kilo abgenommen.“ „Wow, ich sehe, die Medikamente nimmst du richtig ein.“ „Wow, ich sehe schon, dir geht es besser.“ Also all diese positive Verstärkung ist ein weiterer Part, dass wir uns im täglichen Leben vielleicht leichter tun, gerade, wenn wir Veränderungsprozesse haben. Dann vielleicht jetzt auch – unter uns gesprochen: Natürlich sind Mediziner und Medizinerinnen besonders dann glaubwürdig, wenn sie selber einen gesunden Lebensstil haben und dadurch nicht als Beispiel, sondern als Vorbild agieren. Und dadurch sind die Therapieanweisungen glaubhafter, denn nichts ist peinlicher, als wenn man dem Patienten oder der Patientin sagt, bitte rauchen Sie wenig und man merkt, ja, auch der liebe Herr Doktor, die Frau Doktor sind im Nikotinbereich sehr aktiv tätig.

    Also, gesunder Hausarzt, gesunder Internist, was auch immer – gesunde Vorbilder sind gesunde Patienten. So, aber genug von den Insider-Informationen an die geschätzten Kolleginnen und Kollegen. Vielleicht noch ein, zwei Tipps, wie man Medikamente noch sinnvoller einnehmen kann. Wir haben vorhin eben gehört, es werden so viele Medikamente weggeworfen. Insgesamt werden an die 850 Millionen Tonnen Medikamente in unserer Gesellschaft konsumiert und die Hälfte davon landet irgendwo, aber nicht im Patienten. Und wenn ein Arzt oder eine Ärztin Ihnen ein Medikament empfiehlt, dann macht er sich sehr wohl Gedanken, warum er dieses Medikament empfiehlt und welche wichtigen Faktoren so ein Medikament eben hat, wenn man es regelmäßig einnimmt. Ich glaube, wenn man da ein bisschen sinnvoller oder vielleicht sensibler mit manchen Therapieempfehlungen umgeht und durchaus, wenn es notwendig ist, den Arzt auch zu fragen. Wenn man unsicher ist, den Arzt auch zu fragen, ob es wirklich notwendig ist. Also diese Unsicherheit abzuklären und nicht selbstständig das Medikament abzusetzen. Es gibt immer wieder Gründe, wenn Sie Nebenwirkungen haben, wenn Sie manches Medikament vielleicht nicht vertragen, dann möglichst rasch mit dem behandelten Arzt, mit der behandelten Ärztin sprechen, denn die kann es entweder absetzen, wenn es notwendig ist, Ihnen ein anderes Medikament geben oder vielleicht sogar die Therapie ein bisschen modifizieren.

    Also ein Beispiel für eine häufige – oder eine der häufigsten Erkrankungen in unserer Gesellschaft ist der hohe Blutdruck. Was kann man hier zum Beispiel tun? Die gute Nachricht ist, wenn man von einem normalen Blutdruck ausgeht, der ist 130/80, 130 ist die Systole und 80 mmHg, die Diastole, dann kann man, wenn der Blutdruck erhöht ist, also über diesen Normalwerten, schon mit einer Senkung von 5-10 mmHg eine Verringerung des Schlaganfallrisikos um 40% und des Herzinfarktrisikos um 15% erzielen. Und noch was ist ganz toll. Im statistischen Durchschnitt beträgt die Verlängerung der Lebenserwartung durch eine Behandlung des Blutdrucks 5 bis 7 Jahre. Also wenn man da auf die Complience achtet, also da die Medikamente richtig einnimmt, die Lebenssituation ein bisschen verändert, mehr Sport macht, sich gut und gesund ernährt, dann geht das relativ einfach, durch diese Kombination. Also einerseits die Medikamente richtig einnehmen, regelmäßig den Blutdruck zu kontrollieren, auch da gibt es ein paar Tipps und Tricks, im Sitzen zu messen, das Gerät am linken Arm anzulegen und auf Herzhöhe halten und den Unterarm auf der Tischplatte abstützen und auf den anderen Unterarm auflegen und während der Messung nicht reden, ganz wichtig und vor allem auch nicht direkt nach dem Essen durchführen. Wenn man da ein paar Tipps und Tricks für die richtige Durchführung und dann natürlich auch, was man sonst noch alles dazu tun kann, erhält, dann glaube ich, hat man mit ganz einfachen Mitteln eine gute Möglichkeit, selbst etwas dazu zu tun, dass man lange gesund bleibt.

    Vielleicht gibt es auch noch eine weitere Möglichkeit, Menschen davon zu überzeugen sich über die Gesundheit mehr Gedanken zu machen. Ich habe schon Lob und Kompliment erwähnt, das positiv formuliert sein soll und vor allem wirklich motivierend sein soll. Also es ist kein Kompliment, wenn man sagt: „Kurt, du bist gar nicht so dick, wie alle sagen.“ Das ist gut gemeint, aber falsch formuliert. Und es gibt noch etwas: Wir brauchen oft gute Vergleiche, damit sich Menschen vielleicht Situationen noch genauer vor ihrem Auge vorstellen können. Wenn man sagt, bleiben wir bei unserem Blutdruck: der Blutdruck ist zu hoch, vielleicht kann man das ein bisschen anders formulieren: „Überlegen Sie einmal, wenn Sie auf der Autobahn fahren, 130 km/h, das geht. Aber wenn Sie schneller fahren, dann steigt die Gefahr, dass Sie einen Unfall haben.“ Und niemand würde zum Beispiel auch, wenn man das Herz jetzt als großen Muskel sieht, als Motor sieht, niemand würde mit dem Auto auf der Autobahn im zweiten Gang 80 km/h fahren. Warum tun wir das unserem Herzen an?

    Also so ein paar Beispiele einmal dem Patienten, aber auch dem Angehörigen zu geben, damit er ein bisschen darüber nachdenkt und sagt: „Ja, ich bin es mir wert, vielleicht mir mehr Gedanken zu machen und vielleicht auch das, was ein Arzt mir empfiehlt, mit der richtigen Intensität mir zu betreiben und vor allem selbst dafür zu sorgen.

    Warum nehmen wir Medikamente oft falsch oder zu spät oder gar nicht mehr ein? Ich glaube, es sind drei Hauptgründe. A) Sie müssen vorhanden sein. Es gibt Medikamente, die meine Schmerzen, meine Leiden lindern können. Zweitens: Sie müssen verfügbar sein. Und vor allem: Sie müssen richtig angewendet werden. Wenn die drei Sachen zusammenpassen, dann funktioniert das. Aber warum funktioniert das nicht? Einerseits, soziale und ökonomische Gründe. Das heißt, kulturelle Hintergründe, Bildungsstatus, Alter, Entfernung von der Arztpraxis, von der Apotheke her. Das sind alles Faktoren, die einmal sozioökonomisch Gründe sind, warum Medikamente nicht richtig oder falsch eingenommen werden.

    Dann natürlich ganz wichtig von der Beziehung zwischen dem Arzt und dem Patienten oder auch dem Apotheker und dem Patienten. Und ich glaube auch, die Dauer der Beratung: hat der Patient, hat die Patientin wirklich verstanden, worum es geht, in welcher Intensität. Und – auch das muss man ansprechen – werden manche Medikamente rückerstattet? Denn, wenn eine Mindestpensionistin dann vielleicht draufkommt: „Ich kann mir die Medikamente in der Form nicht mehr leisten.“, dann wird sie sie wahrscheinlich nicht mehr nehmen. Weil sie weiß, wenn sie ausgehen, dann braucht sie wieder neue. Dann, was ich anfangs schon erwähnt habe, krankheitsbedingt. Das heißt Schweregrad der Symptome, Leidensdruck. Wenn ich Schmerzen habe, werde ich wahrscheinlich eher meine Schmerzmedikamente nehmen, als wenn ich etwas habe, was ich nicht spüre, wie zum Beispiel den hohen Blutdruck oder hohe Blutfette. Dann natürlich, welche Erkrankungen habe ich sonst noch. Es ist ja meistens, je wir älter werden, ist es nicht nur eine Erkrankung, sondern zwei, drei, vier, die miteinander ein Beschwerdebild ergeben und da natürlich auch die Menge der Medikamente immer mehr werden. Manchmal ist es auch so, dass die Komplexität von Therapieschemas ausschlaggebend sind, dass man da Probleme hat mit der Einnahme. Also: bitte nehmen Sie es fünf Minuten vor der Mahlzeit, allerdings nur am Dienstag und am Donnerstag, dann wird es ein bisschen schwierig, zu dem, was ich vorher schon erwähnt habe, wenn die Patientinnen und Patienten mehrere Tabletten oder mehrere Behandlungen einnehmen müssen beziehungsweise erledigen. Und last but not least gibt es natürlich auch immer das psychische Verhalten von Patienten, die Erwartungshaltung, Vergesslichkeit, dann Wissen über die Erkrankung.

    Damit möchte ich auch irgendwie schließen, denn ich bin überzeugt: Je mehr wir über eine Erkrankung wissen, und zwar, wie wir sie selber beeinflussen können, welche Möglichkeiten wir selbst in der Hand haben, um da unterstützend zu wirken, desto besser wird es funktionieren und desto besser werden wir auch – und vor allem rascher – gesund.

    Also, ein paar Tipps zum Schluss. Wenn Sie Medikamente bekommen, dann überlegen Sie sich: die werden Sinn haben, sonst hätte sie Ihnen Ihr Arzt, Ihre Ärztin nicht verschrieben. Überlegen Sie, wie können Sie dazu beitragen, dass die Medikamente richtig eingenommen werden beziehungsweise, wenn Sie Fragen haben, dann fragen Sie doch gleich einmal den Arzt. Fragen Sie den Apotheker und fragen Sie vielleicht auch einmal Ihren Partner, Ihre Partnerin. Denn Sie wissen ja, je mehr Leute involviert sind, desto leichter geht man durch solche Phasen hindurch. Wenn Sie Blutdruck messen, messen Sie regelmäßig, schreiben Sie Dinge auf. Wenn Sie vielleicht Probleme mit dem ein oder anderen Medikament haben, nicht warten und vielleicht selbstständig absetzen, sondern mal einen Anruf tätigen und sagen: „Ich habe Probleme damit. Ich habe so einen Husten. Ich habe einen Juckreiz.“ All das ist ganz wichtig, damit jeder, der damit involviert ist, rechtzeitig reagieren kann. Ja und die 8.000 Schritte – gehen Sie 10.000 Schritte. Ich sage immer so schön: jeden Tag sollte man mindestens eine Stunde mit dem Hund spazieren gehen. Auch wenn Sie keinen haben. In diesem Sinne, alles, alles Gute. Haben Sie Spaß bei dem, was Sie tun und vor allem: bleiben Sie gesund.

    AT/NONCMCGM/0719/0037 08/2019

  • FOLGE 4

    Antibiotika – die nächste Stufe der Evolution?

    Dr. Elisabeth Oberzaucher gibt in dieser Folge einen Einblick in die Evolutionsbiologie und die Bedeutung von Antibiotika für unsere genetische Weiterentwicklung. Sie erklärt außerdem, wie es zu Antibiotika Resistenzen kommt…

    FOLGE 4

    Antibiotika – die nächste Stufe der Evolution?

    Dr. Elisabeth Oberzaucher

    Elisabeth Oberzaucher studierte Zoologie an den Universitäten Wien und Würzburg. Sie promovierte in Anthropologie mit Spezialisierung auf das menschliche Verhalten. Forschungsschwerpunkte: Mensch-Umwelt-Interaktionen, nonverbale Kommunikation sowie Partnerwahl und Attraktivität. Sie lehrt an der Universität Wien, leitet das Forschungsinstitut Urban Human, und ist Vizepräsidentin der International Society for Human Ethology. Ihr Buch „Homo urbanus, ein evolutionsbiologischer Blick in die Zukunft der Städte“ wurde als Wissenschaftsbuch des Jahres 2018 nominiert. www.oberzaucher.eu

    Transkript: Antibiotika – die nächste Stufe der Evolution?

    Hallo und herzlich Willkommen bei Merck Cast, dem Gesundheitspodcast. Hier ist euer Herzkasperl. Heute haben wir wieder einen tollen Gast bei uns im Studio. Begrüßen Sie mit mir Frau Dr. Elisabeth Oberzaucher.

    Hallo, mein Name ist Elisabeth Oberzaucher, ich bin Verhaltensbiologin an der Uni Wien. Und ich setze mich mit unterschiedlichsten Faktoren des menschlichen Verhaltens auseinander und zwar aus evolutionsbiologischer Sicht.

    Und die Evolutionsbiologie ist eine unglaubliche Quelle für das Verständnis des, warum wir denn so ticken wie wir ticken. Sie zeigt uns auch Möglichkeiten auf da und dort eine Schraube anzusetzen, wo wir uns denken, wir Menschen sind vielleicht nicht unbedingt so wie wir sie gerne hätten.

    Die Evolutionsbiologie hat ein großes Thema und zwar ist das die Veränderung. Veränderung ist wahnsinnig wichtig für biologische Organismen. Deswegen, weil sich die Rahmenbedingungen, in denen wir uns befinden, mit denen wir uns zurechtfinden müssen, laufend und wahnsinnig schnell verändern. Das hat im Laufe der Evolutionsgeschichte zu ganz interessanten Entwicklungen geführt.

    Ein kurzer Ausflug zu Charles Darwin zeigt uns, dass er mit seiner Evolutionstheorie zwar große Schritte gesetzt hat und eine wichtige Basis für das Verständnis unserer Evolution gesetzt hat, aber er hat es nicht zu Ende gedacht. Charles Darwin ist davon ausgegangen, dass wir als biologische Organismen so entstanden sind, dass wir möglichst gut an die herrschenden Bedingungen passen und diejenigen, die am besten passen, die überleben. Und die, die nicht so gut passen, die verschwinden mit der Zeit auch wieder. Das was Charles Darwin in seinen Überlegungen nicht hatte, war, dass er den Faktor Zeit miteinberechnet hat. Nämlich der Faktor Zeit, der diese laufende Veränderung mit reinbringt. Und das bedeutet, dass wenn man gestern super gepasst hat an die jeweilig herrschenden Bedingungen, dann kann das heute nicht mehr gelten, weil die Bedingungen sich ändern. Da haben andere dann Überlegungen angestellt, um zu sagen, es ist schon wichtig, dass wir uns verändern, weil es Dinge gibt, die Veränderung herbeiführen. Veränderung auch der Lebensumstände. Und das bedeutet, dass auch wir Flexibilität mit behalten müssen und dass wir uns weiter verändern müssen.

    In dem Zusammenhang gibt es eine Zeitgenossin von Charles Darwin, die Antoinette Brown Blackwell, von der weiß fast niemand etwas. Antoinette Brown Blackwell hat geschrieben über einerseits sexuelle Fortpflanzung und hat aber auch darüber geschrieben, warum denn Variabilität, also Vielfalt, ganz wichtig und notwendig ist in der Evolution. Damit wir eben nicht aussterben. Erst hundert Jahre später gab es dann Leigh Van Valen, der dann diese Überlegungen formalisiert hat und auch damit berühmt geworden ist. Der hat dann die „Red Queen“ Hypothese, oder die rote Königin Hypothese, formuliert in der er beschreibt wie es denn uns großen, langlebigen, vielzelligen Organismen so geht in der Evolution.

    Wir haben ja sehr langsame Generationenfolgen und evolutionäre Veränderung, die greift immer nur, wenn es zur Fortpflanzung kommt. Also nur von einer Generation zur nächsten. Wenn man sich jetzt nur auf den Mechanismus der Mutation, also der spontan auftretenden genetischen Veränderungen verlassen würde, dann würden wir großen Organismen uns wahnsinnig langsam verändern. Um allerdings in diesem Wechselspiel mit diesen anderen Organismen Schritt zu halten, die es da auch noch gibt auf der Erde, haben wir etwas Neues erfinden müssen. Diese anderen Organismen, das sind Viren und Bakterien – also klassisch das, was wir als Krankheitserreger kennen. Diese Krankheitserreger haben sehr kurze Generationenfolgen. Diese sehr kurzen Generationenfolgen kombiniert mit ihren viel schlechteren Reparaturmechanismen beim Abschreiben der Erbinformation führen dazu, dass die sich genetisch wahnsinnig schnell verändern können. Und das heißt, dass wir, wenn wir diesen Krankheitserregern etwas entgegensetzen wollen, uns selbst auch verändern müssen. Immer etwas Neues erfinden müssen.

    Diese neuen Erfindungen machen wir mit Hilfe von Mutation, aber nicht nur. Sondern, zum Beschleunigen dieses Veränderungsprozesses, haben wir einen Mechanismus erfunden, der wahnsinnig erfolgreich ist. Wenn man sich umschaut in der Welt der Organismen, dann sind die meisten Pflanzen und Tiere nicht so, dass die sich asexuell Fortpflanzen, sondern sie pflanzen sich sexuell fort. Die bringen die Erbinformation von zwei Elternteilen zusammen und dadurch entsteht dann etwas Neues. Und das bedeutet im Evolutionsprozess, dass wir diesen Veränderungsprozess sehr massiv beschleunigen können.

    Es geht also in der Evolution um Variabilität. Es geht in der Evolution um Vielfalt. Wenn wir als Art eine zu geringe Variation aufweisen, dann sind wir sehr viel anfälliger gegenüber diesen Krankheitserregern und können denen eigentlich nichts entgegensetzen. Das beobachten wir teilweise im Haustierbereich also da, wo wir hochgezüchtete Tierrassen haben, deren Genpool sehr stark eingeschränkt ist. Wo sozusagen die Vielfalt so massiv reduziert ist, die sind dann sehr viel anfälliger Krankheiten zum Opfer zu fallen.

    Während, wenn eine Population, eine Gemeinschaft, sehr viel genetische Variation aufzuweisen hat, dann ist diese sehr viel resistenter gegenüber Angriffen von Krankheitserregern. Das heißt Variabilität ist eigentlich das, worum es in der Biologie geht, das, worum es in der Evolutionsgeschichte geht.

    Um diese Variabilität sicherzustellen, pflanzen wir uns also sexuell fort und kommen damit eigentlich sehr weit. So lange wir nicht durch irgendwelche Züchtungsexperimente eingreifen und diese Variabilität wieder einschränken. Das ist im Übrigen eine Sache, wo Charles Darwin sehr stark auch missverstanden wurde. Wo in weiterer Folge auch die Biologie sehr stark missverstanden wurde. Bis hin zu den schrecklichen Entwicklungen im Dritten Reich, wo man dann diverse eugenische Züchtungsexperimente versucht hat anzuzetteln, die der Biologie vollkommen widersprechen. Und man hat die Biologie falsch zitiert, um ein politisches Ziel zu verfolgen. Was aber wirklich vollkommender Unsinn ist. Damals wie heute.

    Biologisch haben wir uns also dazu entwickelt, dass wir uns verändern, dass wir Variabilität suchen. Wir machen auch die Partnerwahl entsprechend, dass wir uns Partner suchen zur sexuellen Fortpflanzung, dass wir möglichst eine Kompatibilität, was unsere Immunogene betrifft fördern. Das heißt unsere Partnerwahl folgt im Prinzip einem Mittelweg zwischen „Gleich und Gleich gesellt sich gerne“ und „Gegensätze ziehen sich an“. Die Gegensätze ziehen sich an, um diese genetische Vielfalt sicherzustellen. Gleich und Gleich gesellt sich gerne deshalb, weil wir einfach mit Leuten besser zurechtkommen, wo wir nicht über jeden Grundsatz elend diskutieren müssen, sondern wo eine gemeinsame Basis schon existiert.

    Deswegen haben wir zwar auf der biologischen Ebene schon eine gute Basis, um den Krankheiten etwas entgegenzusetzen, aber das ist nicht alles. Weil es immer wieder Infektionskrankheiten gibt, wo unser Immunsystem überfordert oder überfragt ist und sagen muss, darauf habe ich leider keine Antwort. Und da sind wir verteidigungslos ohne Waffen denen gegenübergestellt. Und da ist es wichtig, dass es die Medizin gibt. In der Medizin haben wir eigentlich die nächste Stufe der Evolution, die da passiert. Wir haben Antibiotika, die entwickelt werden, um unser Immunsystem da zu unterstützen, wo es von selbst zu keinen Antworten kommt.

    Und die Antibiotika die müssen natürlich auch „mitevoluieren“. Die müssen sich auch mitverändern. Es genügt nicht, ein Antibiotikum zu haben. Auch da kann es passieren, das rein auf Grund der zufälligen Veränderung der Krankheitserreger wir zu Unwirksamkeiten kommen, also die Krankheitserreger Resistenzen entwickeln. Und deswegen ist eine Vielzahl von unterschiedlichen Antibiotika von Nöten, für die vielen unterschiedlichen Krankheitserregern, die es gibt, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, denen wir etwas entgegensetzen müssen.

    Nur mit Hilfe der Kombination von unseren Körpereigenen Immungenen, von unserer körpereigenen Immunkompetenz einerseits und andererseits der Hilfestellung durch die moderne Medizin sind wir in der Lage, auch wirklich diese Gesundheit sicherzustellen, die wir anstreben. Und uns den Krankheitserregern entsprechend mächtig gegenüberzustellen.

    Man könnte also sagen, durch unsere moderne Welt, die uns vor ganz neue Herausforderungen stellt, dadurch, dass wir mit sehr vielen Menschen auf engem Raum zusammenleben, ist das im Prinzip für Krankheitserreger das Paradies. Immer da wo sich Menschen begegnen, wo direkter Menschenkontakt passiert, da können sich Krankheitserreger ausbreiten und so richtig Hochzeit feiern. Das ist eine Herausforderung, die es im Laufe unserer Evolutionsgeschichte nicht gab. Da haben wir in kleinen Gruppen gelebt, da war das relativ überschaubar. Da ist man sich wenig begegnet über diese kleinen Gruppen hinaus. Da hatten es die Krankheitserreger auch gar nicht so leicht, sich über eine größere Masse von Menschen auszubreiten. Heute in einer Millionenstadt ist es ein Einfaches. Und hier brauchen wir auch diese Hilfe, diese Unterstützung der modernen Medizin uns dabei unter die Arme zu greifen, dass wir den Krankheitserregern nicht hilflos ausgeliefert sind.

    Antibiotika wirken nur eine gewisse Zeit. Bis zu dem Zeitpunkt wo die Krankheitserreger Resistenzen entwickelt haben. Und deswegen ist es von so zentraler Bedeutung, laufend neue Antibiotika zu entwickeln, die wiederum diese Krankheitserreger ansprechen, die auf bisherige Antibiotika schon Resistenzen entwickelt haben.

    Deswegen dürfen wir nie stillstehen. Und das ist im Prinzip genau das, was im Laufe der Evolutionsgeschichte für uns große Organismen gegolten hat. Das gilt heute genauso in der Medizin. Nämlich, wir müssen uns laufend verändern, wir müssen laufend Neues entwickeln und diese Veränderung gleich dem Prinzip einer aus Alice hinter den Spiegeln, da kommt auch der Name für die „Red Queen“ Hypothese her. Diese Szene in Alice hinter den Spiegeln ist folgende: Alice möchte Königin werden und spricht darauf die Herzkönigin an und sagt: „Ich möchte gerne Königin werden.“ Und die Herzkönigin sagt: „Hier in diesem Land regeln wir das mit einem Wettlauf.“ Wenig überraschend bei Alice im Wunderland, mit einem Wettrennen über ein Schachbrett. Diejenige die als erste am anderen Ende des Schachbretts ankommt, wird dann in Zukunft Königin sein. Alice lässt sich ein auf diesen Wettlauf und denkt sich, die alte Königin, die hänge ich locker ab. Allerdings laufen sie dann los und nach kürzester Zeit kommt Alice drauf: „Jetzt laufe ich schon so schnell, wie ich kann und komme trotzdem nicht vom Fleck.“ Und sie spricht darauf die Herzkönigin an und die Herzkönigin sagt: „Ja, das hat etwas damit zu tun, dass du in diesem Land hier, um dich vorwärts zu bewegen, doppelt so schnell laufen musst, wie du kannst.“

    Das klingt sehr absurd, es ist natürlich das Wunderland, dort sind Dinge möglich, die bei uns nicht möglich sind. Aber in gewisser Weise ist es auch bei uns möglich, doppelt so schnell zu laufen, wie wir können.

    Einerseits haben wir durch die sexuelle Fortpflanzung eine Beschleunigung unserer eigenen genetischen Variabilität unserer eigenen genetischen Veränderung ermöglicht. Andererseits ist es uns dann noch einmal gelungen, durch die kulturelle Evolution, durch die moderne Medizin einen weiteren Turbo oben drauf zu setzen. Dieser weitere Turbo ist die moderne Medizin, die es uns ermöglicht uns mit Hilfe von Antibiotika auf die nächste Stufe der Evolution weiterzuentwickeln.

    Neben unserem Zusammenleben in großen Ballungsräumen ist natürlich auch die verstärkte Mobilität, die globale Mobilität ein ganz wichtiger Faktor in der Ausbreitung von Krankheitserregern. Wenn wir Menschen betrachten, die einmal rund um die Welt fliegen innerhalb von weniger als 24 Stunden, die sind natürlich perfekte Vehikel dafür, um Krankheitserreger auch wirklich um den Globus zu verteilen. Dies Faktoren, dass wir uns einerseits sehr nahekommen, andererseits aber auch, dass wir sehr große Strecken innerhalb von kürzester Zeit zurücklegen ist für die Verbreitung von Krankheitserregern ein ganz wichtiger Faktor. Und bedeutet für unserer Immunherausforderungen natürlich etwas ganz Neues.

    Die Resistenzen von Krankheitserregern gegen Antibiotika entstehen ja nicht zufällig, sondern die entstehen ganz verstärkt dadurch, dass wir nicht gut umgehen mit Antibiotika. In dem wir Antibiotika nicht für den gesamten vorgeschriebenen Zeitraum nehmen, ermöglichen wir es den Viren und Bakterien ganz toll zu lernen. Das ist im Prinzip so, als würden wir sie in die Schule schicken und sagen würden: „Schau, das ist dein Feind. Lerne mit ihm umzugehen.“ Und dann lernen die das auch, entwickeln die Resistenzen und geben die dann frisch fröhlich weiter an ihre Klassenkolleginnen und Kollegen.

    Das heißt also, was der Einzelne und die Einzelne beitragen kann dazu, dass die Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika nicht um sich greift ist, dass man tatsächlich die vorgeschriebene Einnahmedauer auf keinen Fall unterschreitet. Ansonsten machen wir Antibiotika innerhalb von kürzester Zeit unwirksam.

    Auch von Ärzteseite ist es wichtig, dass wir ein verantwortungsvolles Umgehen mit Antibiotika an den Tag legen. Es ist nicht immer die einfachste Antwort einfach zum gängigsten Antibiotikum für ein bestimmtes Krankheitsbild zu greifen. Manchmal empfiehlt es sich durchaus eine Kultur anzulegen und da dann zu bestimmen, welches Antibiotikum am besten greifen würde und das dann zu verschreiben. Ganz unabhängig davon, dass nicht jedes Krankheitsbild unbedingt nach Antibiotika verlangt. Manchmal tuts auch Tee und Bettruhe.

    Es hat mich sehr gefreut wieder hier sein zu dürfen! Mein Name ist Elisabeth Oberzaucher und viel Glück beim Gesundbleiben.

    AT/NONCMCGM/0919/0040    09/2018

  • FOLGE 5

    Das “Medikament” Sport

    In dieser Folge spricht der Herzkasperl über das Medikament Sport und welche positiven Auswirkungen Bewegung auf Körper, Geist und Seele hat. Ebenso hat er motivierende Facts und Tipps parat und…

    FOLGE 5

    Das “Medikament” Sport

    Herzkasperl

    Transkript: Das “Medikament” Sport

    Herzlich willkommen zu Herzkasperl & Zuckerpuppe. Heute mit mir, dem Herzkasperl! Letztes Mal ging’s um „Gesundheit als Faktor für Glück“.

    Das passt auch ganz gut zu meinem heutigen Thema „Sport für’s Herz“. Denn Bewegung tut nicht nur unserem Körper gut, sondern beflügelt auch Geist und Seele.1

    Nur wie fängt man damit an? Für mich als Herzkasperl gar keine leichte Aufgabe. Schließlich will ich mich nicht überanstrengen, aber nichts tun ist auch keine Option. Und dann ist da noch die Macht der Gewohnheit und der Schweinehund [stöhn!].

    Fakt ist aber: Sport wirkt cholesterin- und blutdrucksenkend, damit beeinflusst es zwei wesentliche Risikofaktoren von Herzerkrankungen. 2 [Räuspern / Ähmmm] Und da muss ich was tun. Sie auch? Ich nehm’ Sie mit auf meine Reise: Wie ich, der Herzkasperl, lernte, das Medikament Sport richtig für mich zu nützen! Achtung Zuckerpuppe, das ist auch was für dich: Bewegung vermindert nämlich auch das Risiko, den Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln!

    Als Erstes hab’ ich mich mal informiert. Und hab kurz meinem inneren Schweinehund nachgegeben. Schließlich ist schnell mal am Computer recherchiert, schneller jedenfalls als eine Runde gejoggt. 😉

    Oberstes Gebot: Wenn Sie an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welcher Sport für Sie geeignet ist und wie Sie damit am besten beginnen. Denn der „falsche Sport“ kann gefährliche Nebenwirkungen haben – und sogar zu einer Verschlechterung der Herzerkrankung führen. Also alles mit Maß und Ziel! 2

    Bevor es nun schweißtreibend wird noch etwas Motivierendes:

    • Regelmäßiges aerobes Training – das heißt, Training mit etwas niedrigerer Belastung wie zum Beispiel Dauerlauf – das reduziert den Blutdruck bei Bluthochdruck bzw. verzögert oder verhindert sogar die Entwicklung von einer Hypertonie.
    • Es steigert auch die Durchblutung im Bereich des Herzens
    • Regelmäßige Bewegung hilft das Körpergewicht zu kontrollieren und mindert das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

    Die Liste könnte ich noch lange so weiterführen. Aber ich glaube es ist klargeworden: Bewegung tut unserem Herz-Kreislauf-System, dass uns rund um die Uhr mit Sauerstoff versorgt, etwas Gutes und unterstützt es dabei, auch weiterhin gute Arbeit zu leisten.2

    So jetzt geht’s los: Ich habe mich für das klassische Laufen entschieden. Fahrradfahren, Wandern Nordic Walking, ausgedehnte Sparziergänge oder Schwimmen, wie es meine Kollegin Zuckerpuppe macht, sind ebenfalls ideal fürs Herz.3

    Nicht gleich von 0 auf 100: Ich war zu Beginn skeptisch, dass ich am Anfang nur 10 Minuten gemächlich laufen und alle 2 Minuten eine kurze Gehpause einlegen sollte. Im Nachhinein war das aber perfekt! Steigern Sie sich langsam und spüren Sie dabei, wie es Ihrem Körper damit geht. In meinem ersten Laufmonat habe ich mich jede Woche um 5-10 Minuten gesteigert. Nach vier Wochen bin ich dann schon vier- bis fünfmal die Woche 30 Minuten gelaufen.3

    Wie schon erwähnt, sollten Sie sich in den ersten Einheiten nicht zu intensiv belasten. Joggen, schwimmen oder fahren Sie so schnell Rad, dass Sie zwar schwitzen, Sie sich aber noch gut unterhalten können. Allerdings sollten Herzpatienten wie schon eingangs erwähnt ihre Belastbarkeit individuell mit ihrem Arzt besprechen.

    Ich bin jedenfalls wirklich erstaunt, wie schnell ich mich verbessert habe. Durch die schnellen Erfolge ist nicht nur meine Motivation gestiegen, sondern auch mein inneres Wohlbefinden. Gerade Schnellschüsse, bei denen auf Biegen und Brechen tolle Ergebnisse erzielt werden sollen, sind oft zum Scheitern verurteilt. Und warum? Ganz einfach, weil durch die nicht angepasste Trainingsintensität Gelenke und das Herzkreis-Lauf-System überlastet werden und sich schnell Frust einstellt.3

    Apropos Gelenke: Mein Onkel und seine Frau schwören auf Bewegung im Wasser. Er krault und schwimmt auf dem Rücken. Sie macht Wassergymnastik und Aqua-Jogging. Das schont die Gelenke und hält fit! Wer nicht so auf Wasser steht, sollte es bei Knieproblemen mit Nordic Walking probieren.6

    Alle, die lieber ins Fitnessstudio gehen oder jedenfalls dafür angemeldet sind [ja, die Anmeldung ist ja auch schon was *lach*], können sich beim Rudern oder am Crosstrainer in Form bringen. Beide bringen den gesamten Körper in Bewegung und sind trotzdem gelenkschonend. Der Crosstrainer ist auch eine gute Möglichkeit einmal auszuloten, wie sich der Körper bei Belastung verhält. Wie schon erwähnt, ist es das Um und Auf sich langsam zu steigern und nicht zu viel zu wollen.6

    Auch meine Nachbarin Frau Mayerhofer habe ich mit meiner Begeisterung angesteckt, obwohl Sie immer darüber klagt, dass Familie und Arbeit sie so auf Trab halten, dass keine Zeit für Sport bleibt. Selbst ein bis zwei Einheiten an Ausdauersport können einen deutlich positiven Effekt haben. Sie ist jedenfalls viel ausgeglichener und weniger gestresst, seit sie sich zweimal die Woche auf’s Fahrrad schwingt und zusätzlich gönnt sie sich dabei Zeit für sich selbst.3

    In den ersten 12 Wochen habe ich unterschiedlich intensiv trainiert, verschiedene Laufstrecken ausprobiert und die Trainingsdauer variiert. Mir ist nämlich recht schnell der Spaß an der immer gleichen Laufstrecke vergangen. Mein Tipp: Finger weg von einem monotonen Trainingsablauf. Immer wieder dieselbe Strecke im gleichen Tempo zu laufen ist auf Dauer einfach langweilig und demotivierend.3 Das gilt natürlich auch für andere Sportarten wie Radfahren.

    Nach drei Monaten darf ich behaupten, dass ich schon langsam zum Laufstreber mutiert bin. Um mich noch mehr zu motivieren, hab’ ich mich einem Lauftreff angeschlossen. Nicht nur ideal für alle, die mit Gleichgesinnten laufen wollen, sondern besonders geeignet für alle, die den Sprung zum regelmäßigen Sport noch schaffen und langfristig dranbleiben wollen. Denn zusammen macht’s einfach mehr Spaß! Nordic-Walking- und Lauf-Gruppen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und werden eigentlich allerorts angeboten. Auch zum Thema Aqua-Gymnastik, Schwimmen, Radfahren und Co werden Kurse oder Treffs für Gleichgesinnte veranstaltet – im Netz werden Sie sicher fündig, zum Beispiel bei wien.gv.at ! 3

    Wichtig – nicht immer läuft’s rund! An manchen Tagen geht’s einfach besser als an anderen. Das hat sich auch mein Arbeitskollege Franz gedacht, der mit mir immer mal wieder mitgelaufen ist. Er hat aber immer wieder über einen massiven Druck im Brustraum während des Laufens geklagt. Zum Glück hat er seine Beschwerden ernst genommen und es mit seinem Arzt abgeklärt. Nun trainiert er nach einem individuellen Bewegungsplan.3

    Sie sehen, es ist wichtig, auf Alarmsignale wie starke Schmerzen oder massiven Druck im Brustraum zu achten und nicht zu verharmlosen, sondern abzuklären. Hören Sie auf Ihren Körper und nehmen Sie Alarmsignale wahr!3

    Dazu passt ganz gut, dass ich immer wieder von Kollegen, Freunden und Bekannten zu hören bekomme, dass sie keinen Ausdauersport machen dürfen. Für alle, die sich auch dahinter verstecken: Herzerkrankungen sind in den meisten Fällen kein Grund, auf Ausdauersport zu verzichten. Im Gegenteil: Bei vielen Herzerkrankungen wird heute sogar ausdrücklich dazu geraten! Natürlich gilt immer: Halten Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache.

    Zum Schluss möchte ich noch eine Lanze für alle brechen, denen der Schweinehund immer einen Strich durch die Rechnung macht! Sie müssen nicht von heute auf morgen mit einem Ausdauersport anfangen. Beginnen Sie mit kleinen Dingen, die langsam zur Gewohnheit werden, um Ihr Bewegungssoll zu erhöhen.

    Wussten Sie, dass wir in Österreich im Durchschnitt 5.251 Schritte pro Tag4 gehen? Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten es aber täglich 10.000 Schritte sein – das sind 6,3 bis 7,3 Kilometer zu Fuß pro Tag! Mal ganz ehrlich, gehen Sie das jeden Tag – oder wenigsten die Hälfte? Wie es bei den 5.251 Schritten im Durchschnitt in Österreich der Fall wäre – also immerhin um die 3 Kilometer.5Also ich hab’s nicht getan! Es ist ja auch schön: Mit den Öffis oder dem Auto in die Arbeit und dazwischen Lift und Rolltreppe. Was bleibt da noch an Schritten übrig?

    Da lässt sich also schon einiges machen, um sich täglich mehr zu bewegen – ich habe die ersten Schritte zu einer besseren Herz-Kreislauf-Gesundheit für Sie gesammelt, z.B.:

    • Nehmen Sie öfter die Treppe statt Lift und Rolltreppe
    • Wie weit ist es eigentlich mit dem Fahrrad von Ihnen in die Arbeit? Vielleicht geht’s in Zukunft mit dem Rad ins Büro, selbst einmal pro Woche ist besser als nie! Oder machen Sie mal ein Meeting im Stehen.
    • Nutzen Sie Ihre Mittagspause für einen Spaziergang an der frischen Luft.
    • Steigen Sie doch mal schon ein oder zwei Stationen früher aus und gehen Sie den Rest zu Fuß – gerade nach der Arbeit ideal, um nicht nur seine Beine zu vertreten, sondern auch den Kopf auszulüften.
    • Bauen Sie in Ihren Feierabend doch vermehrt einen Spaziergang mit dem Partner bzw. der Partnerin oder Freunden ein – anstatt sich in einem Lokal zu verabreden.

    Sie werden sehen, haben Sie diese Abläufe erst einmal in Ihren Alltag eingebaut, wird es Ihnen leichter fallen, den nächsten größeren Schritt in Richtung Ausdauersport zu gehen. Und denken Sie nicht, dass ich oder sogar Profisportler nicht auch ab und an den Schweinehund in sich spüren. Das ist ganz normal. Mein Tipp, wenn Sie wieder der Schweinehund überkommt: Denken Sie daran, wie es Ihnen geht, wenn Sie sich gegen Ihren Schweinehund durchgesetzt haben –bei mir z.B. nach einer Sporteinheit, dann fühle ich mich zufrieden. Das ist für mich Ansporn genug!

    Fassen wir noch einmal zusammen: Bewegung tut unserem Herz-Kreislauf-System gut. Sport in der richtigen Dosierung wirkt cholesterin- und blutdrucksenkend. Zusätzlich arbeitet das Herz durch die sinkende Pulsfrequenz effizienter.

    Sollten sie an einer Herzerkrankung leiden oder ein erhöhtes Risiko dafür haben, sollten Sie vorab Ihren Arzt kontaktieren, um beim Sport und beim Trainingsplan individuell auf Ihre Bedürfnisse einzugehen.

    Und noch ein Fun-Fact zum Schluss: Sumo-Ringer, die bekanntermaßen hochgradig adipös sind, haben kein wesentlich erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko, wenn sie aktiv im Training sind. Anders sieht es natürlich aus, wenn sie sich nicht mehr im Training befinden. Dann steigt das Risiko stark an. Es scheint, dass das Körpergewicht allein nicht ausschlaggebend für die Entstehung von Herzerkrankungen ist, sondern eher das viszerale Fett – das sogenannte Bauchfett.2 Aber auch hier hilft Bewegung. Mein Bauch ist schon weniger geworden. 😉 In diesem Sinne viel Spaß beim Bewegen!

    Ruhig Blut bis zum nächsten Mal – da widmet sich die Zuckerpuppe dann dem Thema Diabetes.

    WIR hören uns erst zum Thema Schlafrhythmus & -wecker wieder.

    Bis dahin bleiben Sie entspannt, Ihr Herzkasperl!

     

    QUELLENANGABEN

    1 Glücklich durch Bewegung (2014): https://www.medizinpopulaer.at/archiv/bewegung-fitness/details/article/gluecklich-durch-bewegung.html

    2 Brussee Helmut (2016): Schulungsunterlagen zum E-Learning Herzsport, Universität Graz

    3 Herzstiftung: https://www.herzstiftung.de/Ausdauersport.html

    4 Gesund durch Gehen: https://www.medizinpopulaer.at/archiv/bewegung-fitness/details/article/gesund-durch-gehen.html

    5 Wo wie viel gegangen wird: https://orf.at/v2/stories/2399015/2399016/

    6 Gelenkschonende Sportarten: https://www.bauerfeind.de/de/themen/bewegung-gesundheit/gelenkschonende-sportarten.html

    AT/NONCMCGM/0919/0042 10/2019

  • FOLGE 6

    Wärmende und gesunde Speisen zur kalten Jahreszeit

    Heute befassen wir uns mit Wärme, und zwar mit der Wärme von innen. Gegen die Kälte draußen hilft nämlich nicht nur warme Kleidung am Körper, sondern auch das richtige Essen…

    FOLGE 6

    Wärmende und gesunde Speisen zur kalten Jahreszeit

    Zuckerpuppe

    Transkript: Wärmende und gesunde Speisen zur kalten Jahreszeit

    Herzlich willkommen bei unserem Beitrag im November. Nachdem wir im September das Thema „Herzsport“ besprochen haben, hat sich der Herzkasperl einen Trainingsplan erstellen lassen. Er ist darum jetzt gerade draußen und macht Bewegung: Ich habe Glück, ich bin hier drinnen im Warmen und spreche mit Ihnen über mein Lieblingsthema.

    Natürlich geht es dabei um das Essen. Konkret: um warmes und wärmendes Essen. Wir besprechen, was dem Herzen guttut, wie Sie sich warmhalten und wie lange eine Speise satt hält.

    Sie hören: Ihre Zuckerpuppe.

    Heute befassen wir uns mit Wärme, und zwar mit der Wärme von innen. Gegen die Kälte draußen hilft nämlich nicht nur warme Kleidung am Körper, sondern auch das richtige Essen im Magen. Uns interessiert da natürlich besonders, welche wärmenden Speisen dem Herzen guttun, und natürlich auch, wie sich die Speisen auf den Zuckerhaushalt auswirken.

    Und dazu präsentiere ich noch ein Rezept, das sowohl vegetarisch als auch für Diabetiker geeignet ist.

    Dann gehen wir es gleich an!

    Schön langsam müssen wir uns darauf einstellen, dass es draußen nicht mehr so warm wird wie noch im September. Wind, Wolken und kurze Tage schaffen zunehmend den Eindruck, dass die Welt dunkler wird. Das hat nicht nur die bekannten Folgen für das seelische Wohlbefinden und das Aufstehen in der Früh, sondern wirkt sich auch auf den Körper aus.

    Die kalte Jahreszeit bringt ja gerade für Menschen mit Herzerkrankungen besondere Herausforderungen mit sich. Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße, und so kann es bei Anstrengungen schnell zu einer Überbelastung des Herzens kommen. Das Herz muss gegen einen größeren Widerstand arbeiten als bei warmen Temperaturen.[1] Auch die Herzkranzgefäße können sich bei Kälte leichter verkrampfen und dadurch Herzschmerzen auslösen, vor allem bei körperlicher Anstrengung.[2]

    Der Körper möchte ja seine Temperatur konstant halten. Vermeiden Sie also körperliche Belastungen an der kalten Luft – damit ist nicht nur Sport gemeint, sondern auch Arbeiten wie zum Beispiel Schneeschaufeln. Lassen Sie sich damit Zeit, stressen Sie sich nicht! Und vor allem, schauen Sie darauf, dass Sie warm genug angezogen sind.[3]

    Ziehen Sie, wenn Sie schwer atmen müssen, auch einen Schal vor Mund und Nase, das dämpft die Kälte ab.

    Achten Sie beim Anziehen auf das „Zwiebelprinzip“! Es muss nicht eine dicke Daunenjacke sein, besser Sie denken in „Schichten“. Das hat auch den Vorteil, dass man schnell eine oder zwei Schichten ablegen kann, wenn man ins Warme kommt. Mit nur ein bis zwei dicken Schichten besteht die Gefahr, dass es immer ein bisschen zu warm oder zu kalt ist.[4]

    Aber wie gesagt: Wärmen kann man den Körper auch von innen – und das sogar ganz gesund.

    Heiße Gemüsesuppe mit scharfen Gewürzen. Das ist ein typischer Rat von Oma, und leider gibt man heutzutage nicht mehr so viel auf das, was die älteren Generationen sagen, aber es ist eben auch wissenschaftlich haltbar. Die warme Suppe wärmt den Körper, und Gewürze wie Chili, Pfeffer und Ingwer fördern die Durchblutung.[5]

    Vielen Gewürzen wird ja eine wärmende Wirkung zugeschrieben. Und einige davon sind richtige Wunderwuzzis: Sie fördern die Durchblutung, stärken Magen und Milz und unterstützen dazu auch noch die Verdauung.[6]

    Nicht erschrecken: Der erste Kandidat ist der Chili. Je nach Sorte bringt es ein wärmendes Kaminfeuerchen oder sogar eine richtige Gluthitze ins Essen. Chili fördert die Durchblutung und wärmt dadurch von innen. Außerdem wirkt es antibakteriell im Darm und senkt damit das Risiko für ansteckende Durchfallerkrankungen.[7]

    Ingwer kommt vor allem aus der asiatischen Küche zu uns. Der Wurzelstock ist sehr scharf und wirkt nicht nur wärmend. Er tötet auch Keime ab und schützt uns vor Blähungen. Sogar bei Erkältung und Heiserkeit soll Ingwer helfen, aber das habe ich mich selber noch nicht zu testen getraut.[8]

    Kardamom gehört übrigens auch zu den Ingwergewächsen, aber hier werden meistens die Samen verwendet, manchmal auch die gesamte Kapselfrucht. Kardamom ist nicht so scharf, sondern eher fein-würzig, und darum heizt er auch nicht zu stark ein, nein, er sorgt eher für so eine sanfte, wohlige Wärme, vor der auch ich mich nicht fürchte.

    Ein ganz wichtiger Bestandteil von Currymischungen ist der Kreuzkümmel oder Cumin. In Indien kommt man gar nicht aus ohne Cumin. Der Geschmack ist nicht zu verwechseln, er erinnert ein bisschen an Zwiebel, Kümmel und Anis, aber doch mit seiner eigenen, unverwechselbaren Note![9]

    Curry ist eine Mischung aus bis zu 36 Gewürzen. Dabei wird vor allem Ingwer, Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel und den unterschiedlichsten Pfeffersorten eine wärmende Wirkung zugeschrieben. Pfeffer wärmt ähnlich wie Chili und wirkt außerdem auch noch fiebersenkend und entzündungshemmend – das ideale Gewürz für die Grippezeit.[10]

    Wer es süß mag, freut sich über Zimt: Das ist sogar eines der ältesten Gewürze auf der Welt und wird schon seit Tausenden von Jahren in der Pflanzenheilkunde verwendet. Wir geben den Zimt auf Süßspeisen, aber er wirkt auch krampflösend, schmerzstillend und wärmend.[11]

    Wo diese Gewürze am besten zur Geltung kommen ist auch ganz schnell erklärt:

    Generell gilt als Faustregel, Eintöpfe und cremige Suppen sind leicht verdaulich und wärmen den Körper rasch von innen heraus.

    Wärmende Eigenschaften sagt man aber besonders gerne auch den traditionellen Wintergemüsesorten nach. Dazu zählen der Kürbis, rote Rüben, Kohl, Kraut und Süßkartoffel. Bei den Fleischspeisen gelten Wild, Fasan, Wildhase, Lamm und Ziege als wärmend, beim Fisch sind es Thunfisch, Hering, Garnelen und Langusten, aber auch Hummer.

    Ein heißer Tipp sind auch Tees aus Fenchel, Anis, Kümmel oder Vanille. Und, in Maßen, auch der Glühwein, wie er jetzt wieder in den Weihnachtsmärkten lockt.

    Bei aller Wärme ist es aber doch auch sehr wichtig, dass eine Speise gut und lange sättigt. Denn gerade die Kälte kostet Energie und verleitet den Körper damit dazu, mehr und sogar zu viel zu essen. Vor allem der Hunger auf Süßes kommt dann schnell, weil der Körper sich davon schnell verwertbare Energie erhofft. Für Diabetiker besonders fatal: Wie schon gesagt nimmt das Terror-Team aus Kälte und Zucker das Herz erst so richtig in die Mangel.

    Also heißt die Devise nicht nur aufwärmen, sondern auch sättigen![12]

    Die Könige des Sättigungsgefühls sind die Erdäpfel. Einer australischen Studie zufolge sättigen 240 Kilokalorien Kartoffeln dreimal so lang wie derselbe Nährwert an Weißbrot.

    Unter den wärmenden Speisen ist auch das Gemüse ein guter Tipp, wenn es darum geht, den Magen zu füllen. Das hat zwar nicht so viele Kalorien, enthält aber dafür Wasser, und das füllt den Magen.

    Wenn der kalte Wind pfeift, geht aber nichts über eine gute, cremige Suppe. Der hohe Wasseranteil füllt den Magen und die richtig gewählten Zutaten sorgen für die willkommene Wärme.[13]

    Aber nicht nur der Magen signalisiert dem Gehirn „Wir sind satt!“ – da spielen mehrere Faktoren zusammen. Ein ganz wichtiger Auslöser für Hunger- und Sättigungsgefühle ist der Blutzuckerspiegel beziehungsweise das Hormon Insulin, das für den Abbau von Zucker im Blut zuständig ist und hilft, dass die Energie auch wirklich in den Körperzellen ankommt.[14]

    Ach, ich als Zuckerpuppe habe damit leider so meine Erfahrungen: Bei Menschen mit Diabetes und auch schon bei beginnender Diabetes gerät der Insulinhaushalt durcheinander. Die Produktion in der Bauchspeicheldrüse ändert sich, und damit verschwindet oft auch das Signal an die Leber, die eigene Glukose-Produktion zu stoppen. Dann dreht die Bauchspeicheldrüse die Produktion auf, und drei bis vier Stunden nach dem Essen sind dann die Blutzuckerwerte auf einmal viel zu niedrig und das Gehirn verlangt nach mehr, obwohl das eigentlich noch längst nicht nötig wäre.[15]

    Wir wissen ja schon sehr gut, dass Diabetes ein Risikofaktor für Herzerkrankungen sein kann. Der Bluthochdruck wie auch Diabetes sind für sich allein genommen schon ein Risiko für die Gesundheit von Herz und Kreislauf. Die Gefahr steigt um ein Vielfaches an, wenn Bluthochdruck und hohe Zuckerwerte zusammenkommen. Jeder fünfte Typ-1-Diabetiker und drei von vier Typ-2-Diabetikern leiden zusätzlich unter zu hohem Blutdruck! Diabetiker sind damit doppelt so häufig von Bluthochdruck betroffen wie der Durchschnitt der Bevölkerung.[16]

    Dabei kommen zwei Angriffe auf die Blutgefäße zusammen: Die hohen Blutzuckerwerte schädigen die Wände der Blutgefäße und die Organe. Zugleich drückt der Bluthochdruck auf die Gefäße. Durch die höheren Blutfettwerte gibt es verstärkt Ablagerungen in den Adern, die Gefäße verkalken und verengen sich … umso wichtiger ist es, dass wir…

    … zum einen: den Bluthochdruck erkennen und ärztlich behandeln lassen.

    Zum anderen: unsere Blutzuckerwerte beobachten und beim Speiseplan beachten.

    Aber wärmendes Curry gibt es auch mit Rezepten, die Rücksicht auf Blutzuckerwerte nehmen. Ein Beispiel dafür ist das Gemüse-Kokos-Curry. Gleich vier Argumente sprechen für dieses Gericht:

    • Es wärmt den Körper von innen,
    • es ist verträglich für Diabetiker,
    • es ist vegetarisch!
    • Und es schmeckt wunderbar.

    Schnappt euch einen Zettel und Stift, oder ladet euch auf www.merck-cast.at die Zutaten und das Rezept herunter.

    Und so werden 6 Portionen gemacht:

    • Wir schälen 400g Karotten und schneiden sie in Scheiben.
    • Dann schneiden wir 2 Stangen Lauch in Ringe.
    • Wir nehmen einen Karfiol und teilen ihn in Röschen.
    • 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe und ein daumengroßes Stück Ingwer werden gehackt und in einem Topf in heißem Öl angedünstet.
    • Wir rühren zwei Teelöffel grüne Curry-Paste unter und rösten sie kurz mit.
    • Dann mit 1 Esslöffel Mehl und Suppenpulver bestäuben und kurz weiterbraten.
    • Mit 800ml Kokosmilch ablöschen und diese einrühren.
    • Als nächstes geben wir die Karotten und den Karfiol dazu, dann fünf Minuten weiter erhitzen, bevor wir schließlich auch den Lauch und 200 Gramm Zuckererbsen dazugeben.
    • Deckel drauf und zugedeckt weitere 5 Minuten köcheln lassen.
    • Bei Bedarf mit etwas Salz abschmecken.
    • Koriander oder Petersilie (für die unter euch, die keinen Koriander mögen) abzupfen und das Curry damit garnieren.
    • Reis passt gut dazu, und der sättigt auch gut und stärkt für den Tag!

    Eine Portion enthält circa 280 Kilokalorien, 9 Gramm Kohlenhydrate und eine Broteinheit.

    Jetzt habe ich so viel vom Essen geredet, da bekomm ich gleich selber Hunger. Natürlich nur nach etwas Gesundem, keine Angst! Und die Zeit ist auch schon fast um. Also fassen wir noch einmal schnell zusammen:

    Diabetes und Bluthochdruck belasten unsere Schlagadern – und bei Kälte wird das noch schlimmer, denn da ziehen sich die Gefäße zusammen und die Belastung für das Herz steigt noch mehr. Wärmen wir uns also auf! Und das geht nicht nur von außen, sondern auch von innen, mit den richtigen, klug ausgewählten Speisen. Zum Beispiel Curry.[17]

    Kochen Sie nach und probieren Sie!
    Denn wohlige Wärme tut dem Herzen gut, egal, ob sie von außen oder von innen kommt.

     

    Bei unserem nächsten Beitrag im Dezember geht es um ein Thema, das gerade im Winter, wenn es lange dunkel ist, und auch nach Zeitumstellungen immer sehr viele Menschen beschäftigt, nämlich um den Schlafrhythmus und um den Einfluss, den ausreichender, gesunder Schlaf auf unsere Herzgesundheit hat. Dann ist auch wieder der Herzkasperl am Mikrofon. Wir freuen uns auf Sie!

    Süße Grüße,

    Ihre Zuckerpuppe!

     

    Quellenverweise:

    [1] Video: Christian Petz kocht wärmende Gerichte
    [2] https://www.klinikum-braunschweig.de/1631.0.html
    [3] https://www.klinikum-braunschweig.de/1631.0.html
    [4] https://www.bergreif.de/2015/10/22/outdoor-tipps-gegen-kaelte/
    [5] https://www.bergreif.de/2015/10/22/outdoor-tipps-gegen-kaelte/
    [6] https://gesund.co.at/waermende-lebensmittel-winter-23592/
    [7] https://eatsmarter.de/ernaehrung/news/waermende-gewuerze-und-lebensmittel
    [8] https://www.veganblatt.com/waermende-lebensmittel
    [9] https://gesund.co.at/waermende-lebensmittel-winter-23592/
    [10] https://eatsmarter.de/ernaehrung/news/waermende-gewuerze-und-lebensmittel
    [11] https://gesund.co.at/waermende-lebensmittel-winter-23592/
    [12] https://www.blood-sugar-lounge.de/2018/04/die-kaelte-der-diabetes-und-wie-waermende-gewuerze-helfen-koennen/
    [13] https://www.gofeminin.de/abnehmen/lebensmittel-die-lange-satt-machen-s2334832.html
    [14] https://www.netdoktor.de/ernaehrung/appetit-und-saettigung-1037.html
    [15] https://www.diabetes-ratgeber.net/Ernaehrung/Heisshunger-Was-gegen-Lust-auf-Suesses-hilft-350443.html
    [16] https://www.hochdruck-aktuell.de/was-ist-bluthochdruck/ursachen-fuer-bluthochdruck/bluthochdruck-und-diabetes
    [17] Zusammenfassung Einstieg

    AT/NONCMCGM/1119/0057    11/2019

  • FOLGE 7

    Schlafrhythmuswecker

    Erscheint am 9. Dezember 2019

    FOLGE 7

    Schlafrhythmuswecker

    Herzkasperl